VfL Bochum: Offensives Spektakel deckt defensive Mängel auf

Es war eines dieser Spiele anne Castroper, bei denen man am Ende nicht genau weiß, ob man sich freuen oder ärgern soll. Ein 3:3 gegen einen Aufstiegsaspiranten wie Darmstadt 98 ist auf dem Papier ein respektables Ergebnis. Doch der Spielverlauf zeigte: Hier war mehr drin. Am Ende belohnt sich die Mannschaft für eine starke Moral, zahlt aber auch Lehrgeld in Sachen defensiver Stabilität. Ein Kommentar.

Zwei Gesichter einer Mannschaft

Die Partie glich einer Achterbahnfahrt mit zwei sehr unterschiedlichen Halbzeiten. In den ersten 45 Minuten wirkte der VfL oft zu naiv, fast schon zu leichtsinnig gegenüber der Darmstädter Qualität. Man stand viel zu offen, verteidigte planlos.

Doch was nach der Pause passierte war bemerkenswert und spricht für die Arbeit von Uwe Rösler. Die Mannschaft kam wie ausgewechselt aus der Kabine. Besonders das Spiel mit dem Ball hat sich im Vergleich zu den Spielen vor der Winterpause massiv weiterentwickelt. Statt Langholz sehen wir nun spielerische Lösungen und Kombinationen. Phasenweise konnte man den Favoriten tief in die eigene Hälfte drücken – das macht Mut für die kommenden Aufgaben.

Das Fragezeichen im Zentrum

Allerdings offenbarte das heutige starke Offensivspiel auch die aktuellen strukturellen Probleme in der Rückwärtsbewegung. Im Fokus steht dabei die Besetzung im zentralen Mittelfeld – gerade nach dem Abgang von Ibrahima Sissoko. Mats Pannewig erwischte einen eher schwachen Tag. Das ist kein direkter Vorwurf an den Spieler, sondern die generelle Frage, ob er als Absicherung für Alfa-Ruprecht die richtige Wahl ist: Für die Rolle eines defensiven Ankers fehlt ihm die nötige Robustheit gegen den Ball und die Zweikampfstärke. Er interpretiert die Rolle spielerischer. Ohne die physische Präsenz eines Abräumers wie Sissoko neben Lenz oder einer generell sehr tiefen Grundausrichtung, wie wir sie vor der Winterpause teils gespielt haben, entstanden im Zentrum zu oft Räume, die Darmstadt eiskalt nutzte. Hier fehlte die ideale Absicherung.

Offensive Wucht mit Risiko

Dieses Defizit wog schwerer, weil unser Offensivspiel risikobehaftet war. Alfa-Ruprecht war nach vorne eine Wucht, seine Eins-gegen-Eins-Qualitäten rissen Lücken. Doch defensiv agierte er oft noch zu sorglos. Gerade in Halbzeit 1 waren seine Positionierungen im Defensivverbund nicht ideal. Wenn der Flügelstürmer nicht konsequent mitarbeitet, braucht es zwingend eine funktionierende Absicherung im Zentrum. Greift beides nicht ineinander, wird es gefährlich.

Einen sehr positiven Einstand feierte Neuzugang Callum Marshall. Nicht nur wegen seines Treffers: Er bringt genau jene Tiefe und das Tempo ins Spiel, das uns oft gefehlt hat, gerade wenn Impulse von der Bank benötigt wurden. Auch Philipp Hofmann findet seine Rolle im Rösler-System immer besser. Als Wandspieler, der Bälle festmacht, ist er enorm wichtig, auch wenn seine fehlende Endgeschwindigkeit immer ersichtlicher wird.

Passlack als Impulsgeber

Ein Sonderlob verdiente sich Felix Passlack. Nach seiner Einwechslung für den heute sehr schwachen Morgalla war er sofort im Spiel, brachte Aggressivität und Lautstärke auf den Platz. Er war der erhoffte Aktivposten. Mit Blick auf die Transfergerüchte um ihn bleibt zu hoffen, dass Kacpar Koscierski die Lücke im Falle eines Abgangs mit einer ähnlichen Dynamik füllen kann

Fazit: Das Glas ist halb voll

Darmstadt ist ein absolutes Top-Team der Liga. Gegen einen solchen Gegner nach Rückstand so zurückzukommen und das Spiel phasenweise zu dominieren, ist ein starkes Signal für die Rückrunde. Das 3:3 zeigt aber auch: Wir müssen dringend an der Balance arbeiten. Drei Punkte waren heute möglich, wenn man defensiv aufmerksamer agiert hätte. Bekommen wir die Absicherung in den Griff und finden die Balance, kann diese Truppe noch richtitg Spaß machen in der Rückrunde.

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Autor: Claudio Gentile

Als gebürtiger Bochumer wurde ich das erste Mal im zarten Alter von sechs Jahren ins Ruhrstadion geschleppt. Der VfL verlor. Was auch sonst. Trotzdem ließ mich der Verein nicht mehr los und spätestens als ich ein paar Tage nach meinem ersten Stadionbesuch das legendäre Papagei-Trikot mit einem "Peter Peschel"-Flock überstreifen durfte, war es um mich geschehen. Das ist jetzt 26 Jahre, wenig Siege und viele Niederlagen her. Wo die Liebe im Fußball hinfällt, kann man sich ja bekanntlich nicht aussuchen. Und eine Liga kennt Liebe auch nicht.

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