Nun ist es also amtlich. Ibrahima Sissoko verlässt den VfL Bochum in Richtung Nantes. Die kolportierten zwei Millionen Euro Ablöse klingen in Zeiten klammer Kassen zunächst ok. Doch bei näherer Betrachtung wirkt dieser Deal weniger wie ein guter Schachzug, sondern vielmehr wie eine riskante Wette auf die sportliche Stabilität der Rückrunde. Ein Kommentar.
Cajetan Lenz und die Last der Verantwortung
Der Abgang von Sissoko rückt einen Mann noch weiter in den Fokus, der uns in dieser Saison viel Freude bereitet hat: Cajetan Lenz. Er ist zweifellos ein hochveranlagter Spieler und der einzige verbliebene, echte Sechser im Kader. Doch man tut einem so jungen Spieler keinen Gefallen, wenn man ihm die alleinige Verantwortung für die defensive Balance aufbürdet. Wir haben zu Beginn der Saison schon verdammtes Glück gehabt, dass Lenz den Sprung vom Jugend- zum Profifußball so hervorragend gepackt hat. Leistungsschwankungen sind in diesem Alter nicht nur normal, sie sind zu erwarten. Sollte Lenz in ein Formtief fallen oder verletzungsbedingt ausfallen, blicken wir in ein Vakuum. Auch den medialen Rummel um ihn, der am Ende der Saison sicher nicht weniger werden dürfte, wenn es mit großen Schritten auf die Transferperiode zugeht, macht was mit einem so jungen Spieler.
Der Blick auf die Alternativen im Kader beruhigt kaum. Mats Pannewig, Matúš Bero und Kjell Wätjen haben ihre Qualitäten, doch keiner von ihnen ist ein Sechser, der Räume zuläuft und das Spiel vor der Abwehr ordnet. Sie sind Achter, Antreiber oder Gestalter. Kevin Vogt könnte diese Rolle dank seiner Spielintelligenz theoretisch ausfüllen, dort hat er schließlich angefangen. Wer erinnert sich nach an das magische Dreigestirn Vogt, Johannson, Dabrowski im Mittelfeld? Doch sein Körper scheint das Alter und die über 400 Profispiele langsam auch zu merken. Ihn dauerhaft im laufintensiven Mittelfeld einzuplanen, wäre ein Spiel mit dem Feuer – wenn er denn überhaupt mal richtig in Tritt kommt.
Die Personalie Sobottka: Führung ja, Fitness nein
Natürlich geistern Namen als Ersatz durchs Umfeld, allen voran der Mann, der jetzt im Trainingslager mit war: Sobottka. Um es klar zu sagen: Auf der Ebene der Mannschaftsführung und Kabinenhygiene wäre ein Typ wie er sicher ein Gewinn. Aber sportlich? Wir ersetzen einen physisch robusten Stammspieler durch einen Akteur, dessen Krankenakte leider Bände spricht – gerade in den letzten Jahren. In unserer Situation benötigen wir Garantien, keine Hoffnungs-Transfers. Wir brauchen jemanden, der sofort funktioniert und 90 Minuten gehen kann und nicht erst aufgebaut werden muss. Gerade wenn man sich das Anfangsprogramm anschaut, bei dem man gut und gerne auch dreimal auf den Sack bekommen kann und die Stimmung schnell kippen könnte. Die Tabelle zeigt: Der Abstand nach unten ist nicht so groß.
Verträge gelten beidseitig
Was mich persönlich etwas irritiert, ist der Zeitpunkt. Sissoko hatte einen gültigen Vertrag. Dass Spieler Reisende sind, ist Teil des Geschäfts. Aber zur Erinnerung: Verträge sind keine Einbahnstraßen. Der Verein hätte durchaus auf Erfüllung pochen können. Ein Spieler im besten Alter wie Sissoko hätte auch im kommenden Sommer noch einen Markt gehabt – die zwei Millionen Euro wären uns vermutlich nicht weggelaufen.
Die Gefahr der Milchmädchenrechnung
Am Ende ist dieser Transfer vor allem eines: Eine Wette gegen die Tabelle. Natürlich helfen uns die Einnahmen jetzt. Aber die 2. Liga ist eng. Sollte uns die fehlende Stabilität im Zentrum gerade in engen Spielen, in denen ein Sissoko den Unterschied mit seiner Zweikampfhärte machen könnte, am Ende zwei oder drei Tabellenplätze kosten, wird es teuer.
Die TV-Geld-Tabelle verzeiht keine Abstürze. Der finanzielle Schaden durch eine schlechtere Endplatzierung könnte die jetzige Einnahme schnell relativieren oder gar auffressen. Man geht hier ein Risiko ein, das in meinen Augen in keinem gesunden Verhältnis zum Ertrag steht. Hoffen wir, dass Cajetan Lenz dieser Last gewachsen ist und die Wette der Verantwortlichen aufgeht und ich mich irre.
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