Am Ende gab es wieder den bekannten Bizeps als Jubel! Foto: David Matthäus

Halt die Fresse und spiel Fussball!

Die Aufforderung von Manuel Riemann war klar. Zu diesem Zeitpunkt stand es zwischen den Würzburger Kickers und dem VfL Bochum nach einer munteren ersten Halbzeit 2:2. Schließlich ebnete Zoller mit seinem Treffer den Weg zum zweiten Sieg in Folge und ließ den VfL auf einen Aufstiegsplatz springen.

Den Auftakt in die zweite Liga hätten sich die Rothosen deutlich besser vorgestellt. Nach zwei Auftaktniederlagen wurde der sowieso schon intern angezählte Aufstiegstrainer Michael Schiele entlassen, sehr zum Unverständnis der Öffentlichkeit. Mit Marco Antwerpen, zuvor mit ebenfalls Braunschweig aufgestiegen, übernahm schließlich der zweite geschasste Aufstiegstrainer. Bisher zeigte der Wechsel nicht den gewünschten Effekt. Gegen Greuther Fürth wurden die drei Punkte in der letzten Minute hergeschenkt und auch gegen Holstein Kiel und beim Hamburger SV sprangen keine Punkte heraus. So standen die Kickers vor dem Spiel unter gehörigem Erfolgsdruck, wollten sie nicht den Anschluss komplett verlieren.

Defensive Grundformationen und Bewegungen im Ballbesitz

Gegenüber dem HSV-Spiel zeigte sich der FWK auf zwei Positionen verändert: Für den verletzten Ewerton rutschte Douglas als linker Innenverteidiger ins Team, für Lotric rückte Ronstadt in die Startaufstellung, dafür rückte der als Rechtsverteidiger eingesetzte Toko ins zentrale Mittelfeld. Luke Hemmerich, bestens bekannt an der Castroper, fehlte aus Verletzungsgründen.

Beim VfL vertraute Thomas Reis erneut auf die Elf, die gegen Erzgebirge Aue gestartet ist. Ganvoula, Blum und Zulj blieb wie zuvor nur die Bank. Wie gegen Aue formierte unser Cheftrainer seine Mannen gegen den Ball im 4-3-3. Eisfeld spielte deutlich tiefer und spielaufbauender als Zulj. Dafür rückte Soares im Spielaufbau weiter auf.

Ereignisreiche erste Halbzeit

Pantovic, Novothny und Zoller stellten gemeinsam die erste Aufbaureihe der Würzburger zu. Dadurch entstand im Mittelfeld eine 3 zu 4 Unterzahl. Anstatt zuerst die offensiven Mittelfeldoptionen abzudecken, entschied sich unser VfL in Person von Eisfeld bereits früh auf Toko vorzurücken, so dass Chibsah und Losilla gegen Sontheimer, Hägele und Kopacz improvisieren mussten. Bereits mit der ersten Aktion gingen die Kicker vom Dallenberg dann auch in Führung. Der durch die Überzahl frei gewordene Zehner David Kopacz legte in der siebten Minute schön für den kreuzenden Ridge Munsy auf, der den Ball zur 1:0-Führung ins lange Eck schob. Die VfL Abwehr sah in dieser Szene leider als Kollektiv sehr unglücklich aus.

In der 20. Minute hielt es Fabian Giefer, der Keeper der Kickers, für eine gute Idee den Ball zentral zum Spielaufbau abzurollen. Soma Novothny schaltete schnell, kam vor Toko an den Ball und erzielte den Ausgleich. Nur zehn Minuten später konnten wir durch einen schönen Angriff über die linke Seite in Führung gehen. Über Milos Pantovic und Soma Novothny gelang der Ball gefährlich in den Fünfmeterraum zu Simon Zoller. Dessen Schuss wurde zwar noch gehalten aber der einrückende Danilo Soares veredelte den Angriff. Auch in dieser Szene sah man den Mittelfeldspieler in Soares.

Die Führung hatte allerdings nur sehr kurz Bestand, denn als nach einer Ecke Riemann den Ball wegfaustete, zog Patrick Sontheimer – laut Kommentator Dahlmann das Double von Trompeter Stefan Mross – von der Strafraumgrenze ab und der Ball landete vorbei an Freund und Feind im Bochumer Tor. Riemann war chancenlos.

So ging es mit einem 2:2-Halbzeitstand in die Pause. Parallel lag Hannover 96 bei sehr starken Fürthern, unserem nächsten Gegner, bereits mit 2:0 hinten. Das hieße: Bei einem Sieg stünde der VfL auf einem Aufstiegsplatz. Auch dass Thomas Reis bereits früh den gelb vorbelasteten Kapitän Losilla verzichten musste, brachte keinen Bruch im Spiel. Im Gegenteil, mit Tesche erhöhte der VfL die Stabilität wieder etwas. Der VfL wird doch nicht… nein, dafür kennen wir unseren VfL zu gut!

Hielt am Ende die drei Punkte fest: Manuel Riemann. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)
Hielt die drei Punkte am Ende fest. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Zittern bis zur letzten Minute

Doch anstatt es MAL WIEDER zu vergeigen, übernahm der VfL in der zweiten Halbzeit die Spielkontrolle, wenngleich Chancen eher Mangelware blieben. Reis hatte das Pressing etwas angepasst, so dass Pantovic zentral auf Toko einrückte, während Eisfeld, Chibsah und Tesche im defensiven Mittelfeld unterstütze. Nach den für Reis-Verhältnisse sehr frühen Einwechslungen von Blum und Ganvoula in der 63. Minute durch, passierte es dann in der 73. Minute. Bei einem langen Ball geht Douglas erfolglos in den Luftzweikampf mit Ganvoula, der Ball rutscht durch, sodass Zoller freie Bahn hat und zum 2:3 einschiebt. Jubelbizeps inklusive. Wobei Feick ihn nach dem Torschuss schon ordentlich weggrätschte.

In der Nachspielzeit hatte eben jener Feick noch die Riesenmöglichkeit zum 3:3-Ausgleich. Doch Riemann rettete mit seiner Parade die drei Punkte! Das Unmögliche war Wirklichkeit geworden.

Eine nicht so glückliche Figur zeigte Schiedsrichter Martin Thomsen. Zwar hat VfL unter seiner Leitung bis jetzt alle Spiele für sich entscheiden können und auch dass Losilla nach seinem taktischen Foul nicht schon die Ampelkarte sah war sehr positiv für uns. Dass allerdings bei sehr aggressiv spielenden Würzburgern am Ende sechs Karten für blau-weiß und nur zwei für rot-weiß stehen, spiegelt nicht gerade den Spielverlauf wieder.

Träumen? Dürfen die Fans, aber nicht die Mannschaft

Nun steht der VfL punktgleich mit den Kielern, aber wegen der besseren Tordifferenz auf einem Aufstiegsplatz. Zuletzt war das in der Saison 2016/17 der Fall, dort allerdings nach dem 2:1-Auftaktsieg gegen Union Berlin zusammen mit dem VfB Stuttgart und Eintracht Braunschweig. Auf einem direkten Aufstiegsplatz stand der VfL zuletzt am 11. Spieltag der Saison 2015/16, also vor über fünf Jahren! Die Tabelle hat allerdings nur bedingte Aussagekraft. Denn zwischen Platz 2 und Platz 14, der von den Braunschweigern derzeit belegt wird, sind es nur vier Punkte! Zumal die Folgewochen mit Fürth, dem HSV, Fortuna Düsseldorf, Holstein Kiel, dem SC Paderborn und Hannover 96 alles andere als ein Selbstläufer wird. Doch wenn man jetzt tatsächlich gelernt hat, auch solche knappen Spiele für sich zu entscheiden, dann könnte noch Einiges in dieser Saison möglich sein.

Matthias Rauh

Matthias Rauh

Obwohl in Bayern wohnhaft besitze ich eine Dauerkarte beim VfL und versuche, jedes Heimspiel und jedes Auswärtsspiel im Süden vom VfL mitzunehmen. Meine Begeisterung für den VfL entwickelte sich in der Saison 2006/07, endgültig besiegelt wurde sie bei dem eigentlich völlig belanglosen Spiel Karlsruher SC gegen den VfL im Jahr 2008. Während eines Fußballturniers wollten meine Mannschaftskameraden in der Bundesligakonferenz ständig die Zwischenstände von Bayern München und Nürnberg wissen, ich erntete misstrauische Blicke, als ich den Zwischenstand von Bochum wissen wollte. Abstieg, Relegation, Funkel, Neururer... ich bin immer noch dabei und freue mich immer mehr auf Spiele wie Bochum gegen Sandhausen als Bayern gegen Dortmund.

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