Verbesserter VfL Bochum profitiert vor allem von Patzern des Gegners – und verliert trotzdem

Der VfL Bochum tritt auch mit Heiko Butscher als Interimstrainer auf der Stelle. Am Ende des fünften Spieltages stehen die Bochumer weiter auf dem 17. Platz der 2. Bundesliga. Das Montagsspiel beim VfB Stuttgart verlor der VfL mit 1:2. Dabei hatte Bochum in der ersten Halbzeit zahlreiche Gelegenheiten gegen den Aufstiegskandidaten – konnte dabei aber auch von zahlreichen krassen Fehlern der Stuttgarter profitieren.

Das Auswärtsspiel beim VfB begann für den VfL Bochum in Richtung einer lautstarken Cannstatter Kurve und mit zwei Veränderungen in der Startelf. Jordi Osei-Tutu durfte im rechten Mittelfeld ran. Schon in den vergangenen Wochen hatte er angedeutet, dass ihm die offensivere Position besser liegen könnte. Den Platz rechts im Abwehrverbund nahm sofort Neuzugang Cristian Gamboa ein.

Startete sofort hinten rechts – Cristian Gamboa Foto: VfL Bochum 1848

Jener Abwehrverbund stand auch gleich im Fokus. Denn den Ball hatte in der Anfangsphase eigentlich nur der VfB. Erneut ließ sich gegen die Bochumer Defensive scheinbar ohne große Mühen Raum gewinnen. Philipp Klement hätte seine Stuttgarter nach einer Viertelstunde schon in Führung bringen können – sein Abschluss rauschte allerdings noch knapp am langen Pfosten vorbei.

Die Betonung liegt hierbei auf noch. Nur wenige Augenblicke später hatte Klement nämlich genug Zeit für einen schönen langen Diagonalball auf Daniel Didavi, der Neuzugang Gamboa im Rücken entwischt war. Der Stuttgarter Kapitän zeigte beim Abschluss seine Qualität und ließ Manuel Riemann keine Abwehrchance – 0:1.

Silvère Ganvoula dreht auf

Aus dem Nichts dann die Chance zum Ausgleich: Silvère Ganvoula eroberte einen Ball, den Nathaniel Philips schon sicher unter Kontrolle geglaubt hatte. VfB-Schlussmann Gregor Kobel war allerdings beim Abschluss aus 16 Metern zur Stelle und konnte zur Ecke klären. Ganvoula war es auch, der nach grenzwertiger Balleroberung von Osei-Tutu erneut Kobel frei gegenüber stand. Der Mittelstürmer verpasste allerdings. Wenige Minuten später hatte Osei-Tutu selbst die Chance auf den Ausgleich, sein Abschluss aus spitzem Winkel war letztlich aber keine Gefahr. Nach einer halben Stunde wurde deutlich, womit der VfB seine offensive Präsenz bezahlte. Ihre Anfälligkeit in der Rückwärtsbewegung war kaum zu übersehen – und bis zum Abschluss spielte der VfL die so geschenkten Situationen mit wenigen Pässen solide aus.

Hatte starke Szenen – Silvere Ganvoula Foto: Fabian Budde (Photomafia)

Dass die Elf mit dem Brustring dann ausgerechnet Bochums torgefährlichsten Stürmer bei einer Ecke ungedeckt ließ, passte in die defensiv mitunter sorglose Vorstellung der Stuttgarter. Ganvoula erzielte den Ausgleich und überhaupt stabilisierte sich der VfL vor der Halbzeitpause etwas. Im vorderen Drittel zeigten die Blau-Weißen in diesen Minuten eine der besten Phasen der bisherigen Saison. Das 1:1 zur Pause war alles andere als unverdient.

Nicolás González trifft kurz nach seiner Einwechslung

Grund genug, um optimistisch in die zweite Halbzeit zu starten. Doch es folgte die kalte Dusche für den VfL. Der soeben eingewechselte Nicolás González nahm Innenverteidiger Simon Lorenz mit einem einfachen Haken aus dem Spiel und ließ Manuel Riemann mit einem satten Schuss mit links keine Gelegenheit zur Reaktion. Wie schon beim 0:1 paarten sich also starke individuelle Qualität der Stuttgarter mit einer Bochumer Defensive, die dieser nicht entgegenzusetzen hatte.

Die Schlagzahl an Torchancen nahm in der Folge ab. Stuttgart hatte die Partie nun besser unter Kontrolle und leistete sich weniger Ballverluste. Erstmals dominierte der VfB das Spielgeschehen im Mittelfeld und konnte so die Nadelstiche der Bochum besser unterbinden.

Bochum und Ganvoula blieben in Durchgang zwei offensiv harmlos und erspielten sich keine nennenswerte Torchance – bis zur 80. Minute. Doch Ganvoulas Abschluss aus zwei Metern hielt Stuttgarts Kobel erneut fest. Die erhoffte Schlussoffensive des VfL blieb aus. Letztlich war es ein verdienter Sieg für den VfB Stuttgart, welcher der Entscheidung im zweiten Durchgang näher war als die Gäste von der Castroper Straße dem Ausgleich.

Timo Janisch

Timo Janisch

Ich bin ein echtes Kind des Ruhrgebiets. Geboren und aufgewachsen bin ich leider in (der Nähe von) Dortmund. Als Kind zog mich mein erstes fußballerisches Interesse zum FC Bayern - und zwar wegen Größen wie Michael Ballack, Roy Makaay oder Zé Roberto, nicht des Erfolges wegen. Mit der Zeit distanzierte ich mich jedoch immer mehr vom Verein (oder der Verein von mir). Nach einem spontanen Besuch im Ruhrstadion war es - ganz klassisch - um mich geschehen und der VfL hatte mein Herz erobert. Heute: Dauerkarte, Block O.

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