Der VfL kann auch zu Beginn des neuen Jahres wieder mit seinen Fans feiern. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Geht’s auch ohne zittern?

Aus, vorbei – Bochum gewinnt auch das zweite Spiel in der Rückrunde mit 2:1 gegen den MSV Duisburg. Doch anscheinend kann der VfL diese Saison den Herzen der Fans keine ruhigen Minuten gönnen. Was lange Zeit nach einem souveränen Sieg aussah, machte Riemann mit einem katastrophalen Patzer noch einmal richtig spannend. Nervenaufreibend und mit großem Zittern setzte sich der VfL letztlich doch noch durch – auch Dank bereits Totgesagten und neuen Gesichtern.

Nicht nur treffsicher bei Autogrammen: Simon Zoller.
Foto: VfL Bochum 1848

Selten konnte man den VfL in dieser Saison souveräner auftreten sehen als am gestrigen Abend. Der VfL ging absolut verdient in der 1. Halbzeit mit 2:0 in Führung und ließ dabei in der Verteidigung fast nichts anbrennen, was sicherlich auch offensiv absolut harmlosen Duisburgern zu verdanken war. Dabei hätte die Führung noch deutlicher ausfallen können, wären die beiden punktgenauen Flanken von Jan Gyamerah mit einem Tor belohnt worden. Doch die erste konnte Zoller freistehend vor dem Tor aus fünf Metern nicht kontrollieren und bei der zweiten stand Losilla bei seinem Treffer hauchdünn im Abseits. Auch in der zweiten Halbzeit lies man nach einer kurzen Drangphase im Grunde nichts mehr anbrennen und konnte sich nach der Einwechslung von Sebastian Maier in der 63. Spielminute gleich mehrere Hochkaräter herausspielen. Besonders auffällig in dieser Phase, dass Weilandt und Maier als Duo perfekt harmonierten und den Gegner ein ums andere Mal schwindelig spielten – dies aber beide im Torabschluss nicht nutzen konnten.

Riemann macht den Riemann

Alle jubeln, nur unser Riemann bläst Trübsal? Eine gute Leistung von unserem Schnapper wurde von seiner missglückten Faustabwehr zum Anschlusstreffer überschattet. Foto: Tim Kramer (VfL Bochum)

Während das 3:0 eine Frage der Zeit schien und Duisburg quasi stehend K.O. war, machte Manuel Riemann einen katastrophalen Fehler, der zum 2:1 -Anschlusstreffer führte. Bislang konnte Riemann seine Patzer diese Saison weitestgehend abstellen und spielt bisweilen eine herausragende Saison, doch der Fehler in der 79. Spielminute erinnerte an alte Zeiten – völlig unbedrängt faustet Riemann eine Kerze und legte somit Havard Nielsen unfreiwillig den Ball vorm leeren Tor auf. Nach Sky-Angaben bedeutete dies bereits den 15. folgeschwere Fehler in seinem 158. Ligaspiel. Die ist eine traurige Bilanz unseres ansonsten starken Rückhalts.

Totgesagte leben länger

Nach dem Anschluss bewahrte die Mannschaft zum Glück dennoch Ruhe und konnte den Sieg über die Bühne bringen. Hervorheben muss man dabei zwei Spieler, die vor nicht allzu langer Zeit in Fankreisen beinahe abgeschrieben waren. Sidney Sam war an beiden Toren beteiligt und offensiv nahezu überall zu finden. Lange verkaufte sich die Offensivkraft in Bochum deutlich unter Wert und konnte in 36 Ligaspielen gerade einmal drei Scorerpunkte einfahren. Viel zu wenig für den ehemaligen Nationalspieler – der nun nach den ersten beiden Rückrundenspielen bereits an mehr Toren direkt beteiligt war und damit ein deutliches Argument für die kommenden Wochen liefert. Dringend notwendig, denn die Konkurrenz dürfte sich durch die Rückkehr von Kruse, Lee und den Langzeitverletzten Eisfeld und Pantovic deutlich zuspitzen.

Patrick Fabian durfte sich feiern lassen! Tolles Kopfballtor zum 2:0 von unserem Urgestein. Foto: Fabian Budde (Photomafia Bochum)

Neben Sam durfte auch Patrick Fabian weiter Argumente für sich sammeln, nachdem dem mittlerweile 31- jährigen Innenverteidiger kaum mehr jemand ein solches Comeback zugetraut haben dürfte. Nach dem bockstarken Auftritt gegen den FC Köln war auch der Auftritt gegen den MSV defensiv souverän und wurde offensiv noch mit seinem vierten Tor in seinem 133. Spiel in der zweiten Bundesliga gekrönt. Wie Sidney Sam gehört er somit mit Sicherheit zu den Gewinnern der noch jungen Rückrunde.

Die Neuzugänge im Fokus

Neben den genannten Spielern standen vor allem die Neuzugänge im Fokus. Simon Zoller gehört mit seinem Tor nach nur 13 Spielminuten für den VfL sicherlich zu den Neuzugängen in Bochum, die am schnellsten für einen Torerfolg im Ruhrstadion sorgten. Insgesamt lieferte der 27-jährige Mittelstürmer eine gute erste Hälfte, in der er sich öfters gefährlich in das Spiel einbringen konnte. Wie sein Nebenmann, Lukas Hinterseer, wich Zoller häufiger auf die Flügel aus und erschwerte so den Zugriff für seine Gegenspieler – ganz nach dem Geschmack von Robin Dutt, der gerade auf dieses Rotationsspiel in der Offensive wert legt. In der zweiten Halbzeit fiel Simon Zoller dann leider deutlich ab, sah eine gelbe Karte und wurde somit folgerichtig für Sebastian Maier ausgewechselt. Dennoch, insbesondere durch sein Tor, kann man von einem durchaus gelungenen Debut sprechen.

Nicht nur im Spiel bereits bestens integriert: Simon Zoller und Dominik Baumgartner beim Torjubel mit der Mannschaft. Foto: Fabian Budde (Photomafia Bochum)

Dominik Baumgartner feierte medial ein wohl eher unauffälliges Debüt. Das ist allerdings ein Trugschluss, denn der junge Österreicher machte ein exzellentes Spiel in der Innenverteidigung. Er stand meist goldrichtig, zeigte Ruhe am Ball sowie abgeklärte Zweikämpfe und konnte vorne seine Kopfballstärke fast mit einem Tor belohnen. Während Zoller eine gute Halbzeit spielte, zeigte Baumgartner sehr gute 90 Minuten und lässt mit seinem Vertrag bis 2022 auf eine rosige Zukunft beim VfL hoffen.

Mission Aufstieg 2019?

Nach den Partien gegen den 1. FC Köln und dem MSV Duisburg lässt der VfL wieder Träume für mehr aufleben. In der Tat hat der VfL nach 19 Spielen bereits 30 Punkte auf dem Konto – ein Wert, der in der letzten Saison zu diesem Zeitpunkt für Rang 4 gereicht hätte und ganze sieben Punkte über dem Vorjahreswert liegt. Doch leider ist diese Saison die zweite Bundesliga keineswegs ausgeglichen. Die Schere zwischen den vorderen Plätzen und den Abstiegsrängen ist gigantisch und so hat der VfL trotz 17 Punkten Vorsprung auf Rang 16 und trotz der jüngsten Siege vier Punkte Rückstand auf Rang 3 und befindet sich „nur“ auf Rang 7. Dies ist sicherlich kein einfaches Unterfangen, doch vier Punkte sind aufholbar. Kommt wieder mehr Konstanz in das Personal, bedeutet das deutlich mehr Alternativen in der Offensive als in der Hinrunde und der Mannschaft wäre unter der Leitung von Robin Dutt durchaus eine Serie wie im letzten Jahr zuzutrauen. Auch wenn noch ein weiter Weg zu gehen ist, ein Fünkchen Hoffnung darf jetzt wieder aufkeimen. Es heißt ja schließlich immer so schön: „Träumen ist erlaubt!“

Jens Hartenstein

Jens Hartenstein

In Bayern geboren, führte mein Weg zum Fußball über den FC Bayern München erst über Umwege zum geliebten VfL. Hierbei hat mich insbesondere die Phase Mitte der 90 geprägt, als man unter anderm in den UEFA Cup einzog. Nach einer jugendlichen Trotzphase, in der ich mich fast gänzlich dem Fußball, aber vor allem der Kommerzialisierung von selbigem abgewandt hatte, fand ich dann Anfang des neuen Jahrtausends wieder zurück zum Fußball. Ein echter Fußballfan kann eben doch nicht ohne seine Leidenschaft. Spätestens als ich dann beim Abschiedsspiel von Darius Wosz dessen letztes Bundesligator, den Abstieg Gladbachs und unseren beinahe Einzug in den UI-Cup live im Gladbacher Stadion feiern durfte, wars um mich dann komplett geschehen. Seitdem sind mäßige Spiele, Niederlagen, Abstiege und sämtliches Leid aller VfL Fans mein ständiger Wegbegleiter.

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