Foto: einsachtvieracht

Weil Auswärts ist…

Auf zum dritten Spiel in dieser, bislang leider nicht besonders erfolgreichen Woche. Nach dem sehr spät kassierten Ausgleich in Kiel und der Niederlage gegen Dresden, könnte man einen Sieg eigentlich schon fast als Pflicht ansehen, will man halbwegs vernünftig aus der englischen Woche kommen und zugleich nicht den Eindruck hinterlassen, dass es einmal mehr zum in der Vergangenheit häufig vorgekommenen tristen Herbst kommen könnte.

Die anreisenden Bochumer Fans können die knapp 500 Kilometer zum Spiel zur unschönen Spielzeit um 13:00 Uhr neben dem Auto zwar auch mit dem Zug bestreiten, wie man seit dem Sonderzug von vor zwei Jahren, ist Heidenheim aber nicht ans elektrische Schienennetz angeschlossen und so muss ein Teil der Strecke mit der Diesellok zurückgelegt werden. Doch egal wie, hoffentlich wird der VfL in Heidenheim gut unterstützt das Beste aus sich raus holen, hierzu dürften auch die Ultras beitragen, die beim Spiel in Kiel ihr Comeback gegeben haben.

Personell ist es am Ende einer englischen Woche immer auch eine wichtige Frage, welche Spieler noch die meiste Energie haben, so ist eine Voraussage immer etwas schwierig. Im Tor und in der Viererkette könnte es beim Alten bleiben, Jan Gyamerah hinterließ bislang den deutlich stärkeren Eindruck als Stefano Celozzi und da Danilo weiter ausfallen wird, steht Timo Perthel als einziger gelernter Linksverteidiger zur Verfügung. Hier ist allerdings abzuwarten, wie gut er nach seiner langen Pause die Belastung vertragen hat, Celozzi oder auch Vitaly Janelt könnten im Zweifelsfall dort einspringen, ebenso wie Maxim Leitsch, für den dann Patrick Fabian in die Startelf rücken könnte.

Im zentralen Mittelfeld wäre in dem Fall, dass Janelt nicht nach hinten rücken muss, eine Verschnaufpause für

Solche Jubelbilder erhoffen wir uns alle auch aus Heidenheim. Foto: Fabian Budde (Photomafia Bochum)

Robert Tesche möglich, dem gegen Dresden etwas die Luft auszugehen schien. Im offensiveren Bereich. In der Offensive kann man das Experiment mit Lukas Hinterseer und Silvere Ganvoula gemeinsam auf dem Platz (in für mich nicht gänzlich nachvollziehbaren Rollen) als gescheitert ansehen, vermutlich wird sich Robin Dutt (der die schlechte erste Halbzeit auf seine Kappe nahm aufgrund der taktischen Ausrichtung) für Hinterseer entscheiden. Robbie Kruse wird weiterhin ausfallen, auch Tom Weilandt ist angeschlagen. Läuft es schlecht, stellt sich das Team fast von selbst auf. Wenn Weilandt einsatzfähig ist und Sebastian Maier die Belastung gut verkraftet hat, könnten Tom Weilandt und Chung-Yong Lee die Außen besetzen, der in seinem ersten längeren Einsatz nach der Verpflichtung (der Kurzeinsatz im entschiedenen Spiel gegen Ingolstadt war nicht sehr aussagekräftig) andeuten konnte, dass er mit seiner Ballsicherheit und Beweglichkeit noch wichtig für uns werden könnte. Sidney Sam dürfte vorerst hingegen kein Startelf-Kandidat sein, momentan scheint fast jede seiner Entscheidungen falsch zu sein, gegen Dresden lief er beispielsweise mehrfach kopflos in mehrere Gegner hinein. Görkem Saglam, der gegen Dresden sein Saisondebüt im Spieltagskader in dieser Saison feierte, dürfte ebenfalls wieder im Kader sein, da er aber laut Dutt noch Zeit/Entwicklung benötige, ist ein Startelfeinsatz unwahrscheinlich. Bei weiteren Ausfällen könnte Baris Ekincier in den Kader rücken.

Bei allen Diskussionen über mögliche Aufstellungen kommt es letztlich aber wieder drauf an, die Bälle vernünftig in den Strafraum zu bekommen, Hinterseer war bis zur Nachspielzeit da doch eher abgemeldet. Flanken aus dem Halbfeld kamen nicht und auch die flachen Bälle wurden meist einfach geklärt. Das muss sich ändern, will man aus Heidenheim drei Punkte mitnehmen.

Marc Schnatterer Foto: Northside (Wikimedia Commons)

Wenn man an Heidenheim denkt, denkt man zuerst an zwei Namen, Trainer Frank Schmidt, der seit über elf Jahren in Heidenheim das Zepter schwingt und den ihm fast die gleiche Zeit zur Verfügung stehenden Marc Schnatterer, der allen Interessenten zum Trotz immer weiter in Heidenheim geblieben ist. Zwei Namen, die untrennbar mit dem Aufschwung des kleinen Vereins verbunden sind, der am Ende der Saison 2013/14 in die zweite Liga führte, wo sie sich bislang souverän behaupten können. Natürlich tragen dazu auch viele andere Leute bei sowie u.a. sehr viele Sponsoren aus der Region, doch diese Vereinstreue ist im heutigen Fußball leider sehr selten geworden.

Im Sommer ist Heidenheim seinen erfolgreichen Weg weiter gegangen, vor allem auf ablösefreie, junge und entwicklungsfähige Spieler zu setzen, bemerkenswert ist die Verpflichtung von Niklas Dorsch vom FC Bayern München, der auch höherklassige Möglichkeiten gehabt hätte, aber in Heidenheim seinen nächsten Schritt machen will, um letztlich seinem einen Bundesligatreffer (bei einem Spiel) weitere folgen zu lassen. Neben ihm kamen nur noch drei weitere externe Neuzugänge, wobei Patrick Mainka zum Stammpersonal zählt, Robert Andrich in der Mehrzahl der Spiele von Anfang an zum Einsatz kam und Patrick Schmidt zumeist als Joker von der Bank kam.

Das System von Heidenheim variiert im Grunde nur wenig. Viererkette, zwei defensive Mittelfeldspieler, offensive Dreierreihe und ein Mittelstürmer. Die Schokoladenseite ist noch immer die rechte Seite, von der Schnatterer immer wieder brandgefährliche Situationen heraufbeschwören kann, was ihn neben seinen starken Standards auszeichnet. Der Saisonstart verlief eher mäßig, mit acht Punkten nach sieben Spielen stehen sie auf dem 13. Tabellenplatz, in der englischen Woche stehen nach einem Sieg und einer Niederlage bislang drei Punkte auf der Habenseite.

Fazit: Momentan ist die ganze Liga noch sehr nah beieinander, um eine positive Grundstimmung zu halten, sollte man aber weiter Punkte sammeln. Heidenheim könnte mit einem Sieg punktemäßig aufschließen zum VfL, bei einem Sieg könnte man sich aber schon ein kleines Polster verschaffen. In der Vergangenheit waren es grad diese Spiele ohne Druck, in denen der VfL nicht unbedingt überzeugen konnte. Aber Fußball spielt man nicht in der Vergangenheit und so überzeugt uns der VfL hoffentlich und lässt die angereisten VfL-Fans mit einem guten Gefühl zurück in die Heimat reisen.

Stefan Zils

Stefan Zils

Wenn man Fan eines im Zweifel erfolglosen Vereins ist, stellt man sich vielleicht irgendwann die Frage, wann man es hätte merken müssen. Bei mir war das sehr früh. Es war der 27.05.1990 und somit das Relegations-Rückspiel gegen Saarbrücken, mein erstes bewusstes Spiel vom VfL (allerdings im Fernsehen). Ich war 9 und somit eigentlich alt genug, um es zu merken. Gut, alle haben wir gejubelt, als uns Uwe Leifeld erlöste (den ich da grad einmal vom Namen kannte) und spätestens da packte mich dann das VfL-Fieber und das logische Denken setzte aus, Fußball wurde Emotion. Anschließend gleich am 2. Spieltag zu meinem ersten Heimspiel ins Stadion (ein 1:0 gegen den 1.FC Köln) und ab da zu vielen schönen und weniger schönen Spielen (anfangs meist) mit einem Mitspieler vom LFC Laer 06 und unseren Vätern. Im Sommer häufiger mal zu Fuß zum Tempel aus Querenburg, ohne dass ich noch weiß, wie es zurück ging. Nur gegen Schalke, Dortmund und Bayern gingen wir länger nicht hin... weil es zu voll wurde (meine Entscheidung war das natürlich nicht). Ich wurde also quasi gleich zum Anti-Rosinen-Picker erzogen und überhaupt, wo wart ihr eigentlich in Sandhausen. ;-)

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