Foto: Tim Kramer (Tremark).
Erst einen Elfer verschuldet, dann den Siegtreffer erzielt: Robert Tesche. Foto: Tim Kramer (Tremark).

Dutts erster Dreier lässt Bochum aufatmen

Erneute Leistungssteigerung beim Befreiungsschlag in Ingolstadt

Der VfL Bochum hat dem Druck standgehalten und am Aufstand der Kellerkinder erfolgreich teilgenommen. Mit einem verdienten 1:0-Sieg beim FC Ingolstadt verließ der VfL den Relegationsplatz und rückte mit nunmehr 30 Punkten auf Platz 14 vor. Nach den Siegen der anderen Abstiegskandidaten war es sowas wie die erste Bürgerpflicht, drei Punkte aus Bayern mitzunehmen – der VfL erfüllte diese Pflicht mit einem streckenweise überzeugenden Auftritt und sorgte damit für ein kollektives Aufatmen.

Dass der VfL mit drei Punkten ins Ruhrgebiet zurückkehren würde, sah nicht zu jedem Zeitpunkt des Spiels so aus. Es waren 28 Minuten gespielt, als Robert Tesche den Ingolstädter Sonny Kittel im Sechzehner zu Fall brachte und  Schiedsrichter Tobias Stieler auf den Punkt zeigte. Bis dahin hatten es die Gastgeber zu keiner einzigen Torchance gebracht. Ganz anders der VfL. Gleich zwei Mal hätte Lukas Hinterseer nach toller Vorarbeit von Robbie Kruse einnetzen können bzw. müssen. Doch sowohl sein Schuss als auch sein Kopfball fanden nicht den Weg ins Ingolstädter Tor.

Nackenschlag hier, Initialzündung da

Stattdessen also Elfmeter gegen den VfL – der Auftritt in Heidenheim schien sich zu wiederholen. Doch dank des kostic’schen Starfstoßes von Kutschke und dem richtigen Riecher des nun mit Dauerwelle agierenden Manuel Riemann blieb es beim torlosen Unentschieden. Wie so oft in solchen Situationen versetzte diese ungenutzte Möglichkeit den Hausherren einen Nackenschlag, während sie für den VfL eine Initialzündung darstellte. Und diese Konstellation führte keine fünf Minuten später zur Führung. Kevin Stöger brachte eine Ecke auf den langen Pfosten, wo Robert Tesche goldrichtig stand und per Kopf die Führung besorgte. Nach 237 Minuten endlich wieder ein VfL-Tor.

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Dem FCI, der mit der Ambition des direkten Wiederaufstiegs in die Saison gestartet war, drohte bei einer Heimniederlage das Abrutschen in die Abstiegszone. Diesen Druck merkte man der Mannschaft nun deutlich an. Das gellende Pfeifkonzert der rund 7.000 Zuschauer im Stadion beim Gang in die Kabinen zeigte unmissverständlich, dass Anspruch und Wirklichkeit aktuell stark auseinanderklaffen.

Die Schanzer starteten wie die Feuerwehr in die zweite Halbzeit und drängten den VfL tief in die eigene Hälfte. Echte Torchancen blieben jedoch erstmal Fehlanzeige. Stattdessen setzte der VfL immer wieder offensive Nadelstiche, die jedoch nicht konsequent zu Ende gespielt wurden. Nur einmal schlossen die Bochumer einen sehenswerten Konter konsequent und erfolgreich ab, der Jubelschrei erstickte jedoch, als der Linienrichter die Fahne hob – Abseits.

Formkurve zeigt nach oben

Der Ingolstädter Offensivdrang fand spätestens nach 60 Minuten ein Ende, außer planlosem Anrennen brachte der Bundesligaabsteiger nichts mehr zu Stande. Und auch auf den Rängen kippte die Stimmung nun zusehends. Während die mitgereisten VfL-Fans lautstarken Support boten, wurde das Heimteam beim noch so kleinsten Fehler ausgepfiffen, was die Verunsicherung der Mannschaft noch mal verstärkte. Je länger das Spiel dauerte, desto ungestümer rannten die Ingolstädter an und desto öfter kam der VfL zu Kontermöglichkeiten, die zwar allesamt sehenswert waren, aber zu nichts Zählbarem führten (versteht Selim eigentlich die Abseitsregel? *Augenzwinkern*). Hier wurde immer wieder offenbar, dass das Team noch nicht eingespielt ist und sich bestimmte Automatismen erst noch entwickeln müssen. Im Vergleich zu den letzten Spielen ließen sich hier jedoch auch schon Fortschritte erkennen, insbesondere im Zusammenspiel von Sydney Sam und Danilo Soares, von denen der VfL-Fan vielleicht noch viel erwarten kann.

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Überhaupt lassen sich gleich mehrere positive Aspekte auflisten: beim VfL ist endlich Ruhe eingekehrt und die Abstimmung zwischen den Mannschaftsteilen gelingt immer besser. Nach den Wochen der Rasiejwski-Lotterie hat Robin Dutt auf Anhieb eine Stammformation und ein System gefunden, das nur bei Krankheit oder Verletzung geändert wird. Da ist es kein Wunder, dass die Automatismen von Woche zu Woche besser funktionieren; die Spieler haben feste Positionen und wissen, was der Trainer von ihnen erwartet. Das gibt Sicherheit und merkt man jedem einzelnen an. Was die Mannschaft spielt, hat Hand und Fuß, was dazu führt, dass eine gewisse Konstanz langsam in Ansätzen zu erkennen ist. Die Mannschaft scheint sich wohlzufühlen, mit dem was der Trainer erwartet bzw. vorgibt.

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Zwar geriet der VfL zum Ende der Partie stark unter Druck, doch kamen die Ingolstädter zu keiner echten Torchance. Ausnahme war ein Verzweiflungsschuss des ehemaligen Stuttgarters Träsch, der den Ball aus rund 30 Metern hoch auf das Tor des VfL pöhlte. Riemann war auf dem Posten.

Nach 94 Minuten stand ein verdienter VfL-Sieg. Die Bochumer zeigten die weitaus bessere Spielanlage und verfügen offenbar auch über die besseren Einzelspieler. Insgesamt zeigte unsere Mannschaft erneut eine Leistungssteigerung, die vor dem Heimspiel gegen den Aufsteiger aus Kiel Selbstbewusstsein geben dürfte. Seit dem überflüssigen 0:1 in Heidenheim ist der VfL nun seit 257 Minuten ohne Gegentor. Mit der in Ingolstadt über weite Strecken gezeigten Leistung kann der VfL in der so engen 2. Bundesliga erstmal gegen jeden Gegner mithalten.

Stephan Kottkamp

Stephan Kottkamp

Meine Liebe zum VfL hat ganz klassisch angefanegen. Im Mai 1986 hat mich mein Vater zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen. Der VfL spielte gegen die Bayern und holte ein 1:1-Unentschieden (Tore: Frank Benatelli und ein gewisser Lothar Matthäus). Seither war ich unzählige Male im Ruhrstadion und erinnere mich am liebsten an die Zeit unter Klaus Toppmöller. Auch deshalb zählt Fußballgott Thomas Stickroth für mich zu den größten VfLern aller Zeiten.

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