Am letzten Bundesligasieg des VfL war er maßgeblich beteiligt: Stanislav Sestak. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Wie lange müssen wir noch warten?

Eine gefühlte Ewigkeit ist es her, dass wir unseren VfL Bochum in der höchsten deutschen Spielklasse anfeuern durften. Es jährt sich der letzte Sieg des VfL in der Bundesliga und zu diesem Anlass blicken wir zurück auf den 13. Februar 2010. 

Acht Jahre ohne Bundesligasieg

Wann wird der VfL endlich wieder in der Bundesliga spielen und dort Siege einfahren?  „Vielleicht irgendwann. Vielleicht auch schon morgen…“ heißt es in einem Lied der Bochumer Band „Hartmann“. Während Jo Hartmann hier von einer schwierigen bzw. gescheiterten Beziehung singt, stellt sich der VfL-Fan diese Frage hinsichtlich der Zukunft seines Lieblingsvereins.

Morgen wird es wohl nicht sein, aber vielleicht ja tatsächlich irgendwann – das hoffen alle VfL-Fans inständig. Heute vor acht Jahren durften wir VfLer zum bislang letzten Mal einen Sieg in der Bundesliga bejubeln. Am Samstag, 13. Februar 2010, gastierte die TSG Hoffenheim im rewirpowerSTADION (spricht sich Ruhrstadion), gut 17.000 Zuschauer wohnten dem Spiel bei und der VfL gewann mit 2:1.

Es war eine turbulente Saison, eine Saison mit insgesamt vier Trainern und einem desaströsen Ende. Bereits nach sechs Spieltagen wurde Marcel Koller nach einer bitteren Heimniederlage gegen Mainz entlassen. Der VfL stand zu diesem Zeitpunkt auf Platz 17 und hatte magere vier Punkte auf dem Konto. Frank Heinemann kam als Interim und gewann direkt das Auswärtsspiel in Nürnberg. Insgesamt konnte Funny in vier Spielen aber lediglich vier Punkte holen.

Ab Spieltag elf stand dann Heiko Herrlich an der Seitenlinie und sorgte gleich bei der ersten Pressekonferenz mit einem sonderbaren Tiervergleich für Aufsehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten konnte Herrlich das Team aber stabilisieren und in den verbleibenden Spielen bis zur Winterpause immerhin acht Punkte holen. Und auch er Start in die Rückrunde machte Mut und ließ Hoffnungen wachsen. Einem Auswärtssieg in Gladbach folgten drei Unentschieden gegen Schalke, Leverkusen und Berlin.

Das Ziel war klar: Heimsieg

Die Vorgabe für das anstehende Spiel gegen Hoffenheim war klar: Der zweite Heimsieg der Saison sollte eingefahren werden. Nach der frühen Führung durch Stanislav Sestak, der von Christian Fuchs mit einem sehr schönen Steilpass in Szene gesetzt worden, setzte der VfL auf eine stabile Defensive und erlaubte den Gästen nur wenige Offensivaktionen.

Erst nach der Pause kam die damals noch relativ unerfahrene Mannschaft aus dem Kraichgau stärker auf. So war es beinahe folgerichtig, dass die TSG nach gut 60 Minuten durch ihren Stürmerstar Vedad Ibisevic zum Ausgleich kam. In der Folge entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen auf beiden Seiten. Schließlich war es erneut Außenverteidiger Christian Fuchs, der mit einer gut getimten Flanke von der linken Seite die Führung einleitete. In der Mitte stieg der eingewechselte Zlatko Dedic hoch und beförderte das Leder per Kopf in die Maschen. Als Schiedsrichter Marco Fritz abpfiff, war der zweite Heimsieg der Saison perfekt.

Mit 25 Punkten belegte man nach diesem 22. Spieltag Platz 14 und hatte einen beruhigenden Vorsprung von acht Punkten auf Hannover 96 auf dem Relegationsplatz. Von Abstiegssorgen war zu diesem Zeitpunkt keine Rede mehr.

Und plötzlich ging es nur noch bergab

Dem Sieg gegen Hoffenheim folgten noch zwei 0:0-Partien (in Mainz und gegen Nürnberg). Danach folgte eine Serie von vier Niederlagen, einem Unentschieden in Freiburg und fünf weiteren Niederlagen. Das Verhältnis zwischen Heiko Herrlich und einem Großteil der Mannschaft soll zerrüttet gewesen sein. Es ging kontinuierlich und unaufhaltsam bergab. Zwei Spieltage vor Saisonende zog der Aufsichtsrat um Werner Altegoer die Notbremse und entließ Heiko Herrlich. 20 Punkte in 21 Spielen lautet die durchwachsene Bilanz des aktuellen Trainers von Bayer Leverkusen.

Die Zaubermaus Dariusz Wosz übernahm das Traineramt, konnte den Abstieg seines Vereins aber nicht mehr verhindern. Nach der zu erwartenden Niederlagen in München folgte am letzten Spieltag das Debakel gegen Hannover 96, das wohl jedem VfL-Fan auf immer im Gedächtnis bleiben und die Zornesröte ins Gesicht treiben wird.

„Ich hab’ keinen Bock mehr im Regen zu stehen…“ heißt es im Lied von Jo Hartmann weiter. Das kann man als VfL-Fan sicher auch unterschreiben. Wie gerne würden wir wieder Siege in der Bundesliga feiern. Das wird sicher nicht morgen sein, aber vielleicht irgendwann…

Stephan Kottkamp

Stephan Kottkamp

Meine Liebe zum VfL hat ganz klassisch angefanegen. Im Mai 1986 hat mich mein Vater zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen. Der VfL spielte gegen die Bayern und holte ein 1:1-Unentschieden (Tore: Frank Benatelli und ein gewisser Lothar Matthäus). Seither war ich unzählige Male im Ruhrstadion und erinnere mich am liebsten an die Zeit unter Klaus Toppmöller. Auch deshalb zählt Fußballgott Thomas Stickroth für mich zu den größten VfLern aller Zeiten.

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