Gelingt der vorweihnachtliche Dreier in St. Pauli?

VfL möchte in Hamburg einen versöhnlichen Abschluss finden

Der Fußball ist ähnlich schnelllebig wie unser gesamtes Leben. Heute noch zu Tode betrübt und morgen schon himmelhochjauchzend. Vor gerade mal zwei Wochen stand der VfL zur Halbzeit des Spieles gegen Union auf dem Relegationsplatz. Zwei Siege später rangiert unser Verein auf einem einstelligen Tabellenplatz und kann mit einem Sieg am Millerntor gar den sechsten Platz erobern – wer hätte das gedacht!?

Die gefühlt katastrophale Hinrunde ist in Wahrheit punktemäßig gar nicht so schlecht. Nur zwei Mal in den letzten sieben Jahren sammelte der VfL in der Hinserie mehr Punkte als diesmal. Das darf natürlich nicht darüber hinwegtäuschen, dass die letzten Monate nicht erfreulich waren. Zwei Trainerentlassungen, das Pokal-Aus in Paderborn und mehrere unterirrdische Spiele in der Liga haben viele Fans nach anfänglicher Euphorie mehr als frustriert. Inzwischen hat Trainer Jens Rasiewski so etwas wie eine Stammformation gefunden und scheint mit seinem Team auf einem guten Weg zu sein. Wohin dieser Weg letztlich führen wird, muss abgewartet werden.

Es wird Zeit für einen Sieg am Millerntor

Der VfL trifft nun bereits zum vierten Mal innerhalb der letzten zwölf Monate auf den FC St. Pauli. Eine bis dato unerfreuliche Anhäufung von Aufeinandertreffen. Vor ziemlich genau einem Jahr errang der VfL beim damaligen Tabellenletzten in Hamburg ein 1:1-Unentschieden. Für uns traf Peniel Mlapa und für Pauli war Bouhaddouz erfolgreich. Beide werden Montagabend sicher nicht treffen – aus unterschiedlichen Gründen. Dem Remis folgten im Mai eine 1:3-Niederlage in Anwesenheit unserer UEFA-Cup-Helden von 1997 und ein ärgerliches 0:1 am 1. Spieltag, das der damals herrschende Euphorie in Bochum einen deutlichen Dämpfer verpasste.

Der letzte Sieg des VfL gegen St. Pauli liegt beinahe vier Jahre zurück. Im Februar 2014 gelang unter dem damaligen Trainer Peter Neururer auswärts ein 1:0. Das Tor erzielte der drittbeste Isländer, der je beim VfL gespielt hat: Holmar Orn Eyjolfsson. Die Vorlage kam von einem der besten Japaner, die der VfL jemals unter Vertrag hatte: Yusuke Tasaka. Früher war eben doch nicht alles besser…

Sportdirektor Ewald Lienen erfuhr im TV-Studio von der Entlassung seines Trainers.

Wie sieht es aktuell beim Gegner aus? Nach einem guten Start in die Saison konnten die Paulianer zuletzt nicht mehr überzeugen. Nach einigen zum Teil deftigen Niederlagen musste Trainer Olaf Janssen gehen (ohne dass Sportdirektor Ewald Lienen informiert worden war) und wurde durch Marcus Kauczinski ersetzt. Während sich beim BVB der Stöger-Effekt auf dem Punktekonto bemerkbar macht, lässt sich am Millerntor noch nicht beurteilen, ob der Trainerwechsel Früchte tragen wird. Das erste Spiel unter dem auch beim VfL immer wieder gehandelten Ex-Karlsruher endete nach intensiven und hektischen 90 Minuten mit einem 2:2-Unentschieden gegen den MSV Duisburg. Aus Bochumer Sicht darf der Kauczinski-Effekt gerne verpuffen.

Für die Statistik-Fetischisten gibt es auch noch gute Nachrichten: Seit dem Abstieg 2010 hat der VfL niemals das letzte Spiel vor Weihnachten verloren. Drei Siege und vier Unentschieden stehen zu Buche. Vielleicht kann die Mannschaft diese Statistik ja noch ausbauen.

Man muss kein Nachfahre von Nostradamus sein, um zu wissen, dass ein Sieg am Millerntor zumindest bei einigen Fans wieder Träume vom Aufstieg reifen lassen wird. Und in der Tat kann eine Siegesserie in dieser so unfassbar ausgeglichenen Liga einen Verein direkt einige Plätze hochkatapultieren. Selbst die anfangs enteilten Düsseldorfer und Kieler sind längst nicht mehr so konstant und auch Nürnberg lässt, wie gestern in Lautern geschehen, wichtige und fest eingeplante Punkte liegen. Der VfL hat in dieser Saison schon viele Möglichkeiten nicht genutzt; es wird Zeit, dass sich dies ändert, sollte diese Spielzeit doch noch eine werden, an die man gerne zurückdenkt.

Stephan Kottkamp

Stephan Kottkamp

Meine Liebe zum VfL hat ganz klassisch angefanegen. Im Mai 1986 hat mich mein Vater zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen. Der VfL spielte gegen die Bayern und holte ein 1:1-Unentschieden (Tore: Frank Benatelli und ein gewisser Lothar Matthäus). Seither war ich unzählige Male im Ruhrstadion und erinnere mich am liebsten an die Zeit unter Klaus Toppmöller. Auch deshalb zählt Fußballgott Thomas Stickroth für mich zu den größten VfLern aller Zeiten.

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