Der VfL besiegt das Team der Stunde

Wer im Vorfeld den Gegner Jahn Regensburg auf die leichte Schulter nahm, wurde schnell gewarnt. Die Regensburger gewannen von den letzten fünf Spielen insgesamt vier und holten 13 von 15 möglichen Punkten. Ausgerechnet unser VfL beendete die beeindruckende Serie der Jahn-Elf. Wir von einsachtvieracht waren live in der Continental-Arena in Regensburg und schildern unsere Eindrücke.

Als ich im Sommer 2016 zum „Netto-Duell“ gegen den Jahn ebenfalls schon einmal in dieser Arena, die direkt an der A3 liegt, Gast war, waren die Preise noch günstig. Acht Euro kostete ein Stehplatz und ein Sitzplatz gerade einmal 15 Euro. Ein Jahr später kostete der Stehplatz schon 15 Euro und der Sitzplatz 30 Euro. Wer aber schon zuvor im alten Stadion, das Jahnstadion lag mitten in einem Hochhausgebiet, zugegen war, weiß den Luxus der Continental-Arena zu schätzen. Vom Gästeparkplatz kann man direkt zum Gästeblock laufen und schon am Gästeblock sah man, woher die Bochumer alle kamen. So waren diesmal neben den üblichen Reisebussen auch viele Fans aus dem Süden der Republik. Tirschenreuth, Ulm oder Eichstätt – die kurze Entfernung wurde genutzt, um den VfL live zu sehen. Dass das Spiel diesmal an einem Samstag und nicht wie üblich an einem Wochentag wie Freitag oder Montag stattfand, lockte viele Leute in den Bochumer Gästeblock. So wurde er am Ende recht voll, sodass die Leute sogar auf den Treppen standen – für 550 km Entfernung eine gute Kulisse.

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

In der Startelf gab es lediglich eine Änderung: Robbie Kruse kehrte nach Verletzung zurück in die Startelf und Sidney Sam nahm auf der Bank platz. Der Regensburger Trainer Achim Beierlorzer vertraute seiner Elf, die die letzten fünf Spiele ungeschlagen war. In Minute drei kam Hinterseer zu seiner ersten Chance, bei der er kurz seinem Bewacher Nachreiner entwischen konnte, die hoch stehenden Regensburger allerdings schnell zurückkehrten und die Aktion bereinigen konnten. Drei Minuten später kam Adamyan mit einem Fallrückzieher nachdem Stöger eine Flanke unfreiwillig verlängerte zu einer Chance, der Ball ging aber nur knapp am Tor vorbei. Kevin Stöger war auch der entscheidende Akteur in der nächsten Szene: Nur eine Zeigerumdrehung später streckt Stöger wunderbar auf Kruse durch, der aufgrund der hoch stehenden Regensburger freie Bahn hat und eiskalt vollendet. Jubel im Bochumer Gästeblock, eine Führung in der verflixten siebten Minute!

Die Regensburger hatten in der Folge mehr Torchancen durch Grüttner oder Nietfeld. Dann musste Dornebusch zur Behandlung und das Spiel unterbrochen werden. Ein weiterer verletzter Torhüter nach Riemann und der 19-Jährige Florian Kraft ins Tor? Nein, für Dornebusch ging es weiter, wobei er das Spiel eher gequält zu Ende spielte. Nach der recht turbulenten Viertelstunde hatte Hinterseer die nächste Chance, der allerdings zentral auf Pentke schoss und dieser so parieren konnte. Die Regensburger hatten weiterhin gute Chancen durch Lais (wieder ein Fallrückzieher), Stolze oder einem angeblichen Handelfmeter, wo allerdings auch die Fernsehbilder zeigen: Das war keiner. Schiedsrichter Thomsen stand auch weiterhin im Fokus des Regensburger Publikums, so wollte fünf Minuten später Nietfeld nach einem Zweikampf mit Losilla den Elfer. Den Elfer gibt es nicht, jedoch eine Minute später einen Freistoß in Strafraumnähe. Während einem aufgrund der Erfahrungen der letzten Jahre beim VfL und beim Standard gefährlichen Gegner bei jedem ruhenden Ball das Herz in der Hose rutscht, konnten dieses mal unsere Männeken alle Aktionen bereinigen. So gingen wir mit der knappen Halbzeitführung in der Pause.

Wie geht unsere Mannschaft mit der Führung aus der Pause? Spielen wir auf das 0:2 oder mauern wir defensiv. Während wir nicht personell reagierten, brachte der Regensburger Trainer Flügelflitzer Jann George für den Mittelfeldspieler Lais. Anfang der zweiten Halbzeit passierte nicht viel, der gute Schiedsrichter ließ die Leine nicht mehr so lang laufen, so holten sich Wurtz und Janelt den gelben Karton ab. Regensburg versuchte zwar immer weiter Angriffsbemühungen zu starten, allerdings waren die Abschlüsse zu schlecht, oder sie wurden schon im Mittelfeld durch einen Fehlpass gestoppt. Es dauerte bis zur 81. Minute, dann wurde es wieder spannend im Bochumer Strafraum. Stürmer Nietfeld legte quer auf Adamyan, der den rauseilenden Dornebusch überlupfte, doch Felix Bastians klärte auf der Linie. Mittlerweile war Sidney Sam für Wurtz in die Partie gekommen und dieser war einer der Akteure in Minute 87. Jan Gyamerah kann nach einem Gegenangriff gut in die Regensburger Hälfte laufen, begleitet von Sam und Hinterseer. Gyamerah legt im 16er auf Sam, der allerdings nicht in die Ecke schießt, sondern zentral auf den Regensburger Torhüter. Der Nachschuss von Hinterseer wird anschließend von Nachreiner geblockt. Bei aller Liebe für Sam: Der Ball muss in die Ecke geschossen werden!

Durch den Wechsel von Robert Tesche, der für Torschütze Robbie Kruse kam (Kruse wurde ausgepfiffen und von Nandzik angeschoben) wurde weiterhin Zeit gewonnen. Allerdings wurde die Nachspielzeit auf vier Minuten beziffert. Die Regensburger drängten jetzt, die Freistöße wurden vom Keeper Pentke geschossen, auch Stöger versuchte es vom eigenen 16er mit einem Distanzschuss. Am Ende der Abpfiff und große Erleichterung im Gästeblock. Man feierte nicht nur den zweiten Sieg in Folge, man zog auch an Jahn Regensburg an der Tabelle vorbei – aufgrund des Dynamo-Sieges auf Platz 8!

Fazit

Trainer Rasiejewski, der durch seine Weiterbeschäftigung bis 2019 (wir berichten bald) im Fokus vieler kritischer Fans stand, konnte zwar nicht gerade mit Schönwetterfußball punkten, jedoch zeigte sich das Team extrem effizient im Nutzen der Torchancen (klammern wir Minute 87 einmal aus 🙂 ). Die Statistik spricht für den Fußballlehrer und auch die Tatsache, dass wir zum dritten mal nach einer 1:0-Führung gewonnen haben. Dies war in der letzten Zeit, gerade im Bezug auf das Heidenheim-Spiel, nicht gerade selbstverständlich. Wer mir in der zweiten Halbzeit besonders gefallen hat, war Jan Gyamerah. Als Part in der Dreierkette zeigte er sich sehr zweikampfstark und seine Vorstöße, leider ungekrönt in Minute 87, könnte er deutlich häufiger wagen. Durch den Sieg in Regensburg hat man nun 23 Punkte gesammelt und hat damit die dritterfolgreichste Hinrunde (nur 2010/11 und 2015/16 waren besser) seit dem Abstieg absolviert – bei der aktuellen Stimmungslage kaum zu fassen.

Tschüss Regensburg, bis zum nächsten mal!

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