Mit einem Veilchen davon gekommen

Der Wetterbericht kündigte Schneeregen im Erzgebirge an, so kam es zum Glück nicht. Dennoch sind Auswärtsfahrten ins Erzgebirge im Winter immer unangenehm und das liegt nicht nur am Wetter! Das Stadion der Kumpel aus dem Erzgebirge ist mittlerweile zu einem Schmuckkästchen verbaut worden, spielte man im vergangenen Jahr noch auf einer Baustelle. Diese Baustelle befindet sich mittlerweile in Bochum, wenn diese jedoch eher symbolisch zu verstehen ist. Aber nun ran an die Nachbetrachtung des Spiels.

Das Steigerlied beim Einlauf ist eine Wohltat

Jens Rasiejewski schickte die vermeintlich beste Startelf auf den Platz.

Chef-Trainer Jens Rasiejewski konnte unsere vermutliche Top-Elf spielen lassen und brachte mit Hoogland, Kruse und Stöger drei ganz wichtige Akteure zurück in die Startelf. Auch Anthony Losilla sollte wieder für Stabilität im Mittelfeld sorgen, während vorne mit Kruse, Stöger und Sam Kreativität en masse auf dem Feld begann. Die Auer hingegen baten viele Akteure auf, die sich im Zentrum am wohlsten fühlen, wodurch unsere Akteure auf die Außen gedrängt werden sollten um die nach innen tendierenden Kruse, Stöger und Sam außen zu halten. Nazarov, Fandrich und Köpke agierten gegen unsere Dreierkette um den Aufbau zu erschweren, Tiffert und Riese sicherten vor der Fünferkette ab. Hannes Drews hatte seine Hausaufgaben gemacht, so wie einige Trainer zuvor auch schon.

Die erste Halbzeit – Schlafmütziger Start, überraschender Ausgleich

Kaum wurde angepfiffen, stand es auch schon 1:0 für die Gastgeber aus Aue. Ballverlust auf der offensiven linken Seite und keiner der Spieler sah sich genötigt den Weg zurück im Sprint auszuführen, wodurch Tiffert seelenruhig auf der rechten Seite den Pass auf Fandrich anbringen konnte und Bastians gegen zwei Mann sah in Unterzahl natürlich unglücklich aus. Riemann war zwar noch dran, doch der Ball fand den Weg ins Tor. Die Idee des aggressiven Gegenpressing ist mittlerweile ad acta gelegt, wodurch Aue entspannt im Spielaufbau agieren konnte. Zu Beginn der ersten Halbzeit kam Aue dann offensiv immer wieder gefährlich über ihre rechte Seite, auf der Rizzuto sich offensiv oft einschaltete und Tiffert oder Fandrich nach rechts tendierten, die Flankenläufe wurden von Soares, Kruse und Bastians nicht ordentlich unterbunden. Im Anschluss reichte es Aue die bekannten Stärken von unserer Mannschaft unter Kontrolle zu halten, in denen man die inversen Läufe von Kruse unterband. Bietende Räume auf den Außenbahnen wurden nicht für Flankenläufe genutzt, wodurch man die dichte Mitte der Auer hätte umgehen können. Offensiv war so gut wie jeder Angriff der Auer gefährlich. In der 33. Minute musste Anthony Losilla verletzungsbedingt vom Feld und Vitaly Janelt übernahm seinen Part vor der Abwehr. Der Ausgleich war zwar nicht verdient, jedoch tat Aue im Laufe der zweiten Halbzeit immer weniger für das Spiel und wir konnten den Ball öfter in unseren Reihen halten. Die Vorlage kam vom eingewechselten Vitaly Janelt, welcher seine Dynamik nutzte um mit einem klugen Laufweg in den Rücken der Abwehr zu kommen um Felix Bastians im Fünfmeterraum von Männel mustergültig zu bedienen. Das sah nach einem durchdachten und guten Angriff aus.

Auffälligkeiten der ersten Halbzeit

Die Einbindung von Sidney Sam ist weiterhin nicht gegeben. Er tendiert dazu den Flügel zu besetzen, wenn der Raum dort bereits besetzt ist, statt die sich bietenden Räume zu suchen um die Engen vor der Abwehr aufzulösen. Die Form von Danilo Soares muss sich noch in Bochum befunden haben, nichts ist mehr zu sehen von der Spielfreude vom Beginn der Saison. Flankenläufe sind Mangelware geworden und das Fehlen vom aggressiven Nachsetzen bei Ballverlusten ist vermehrt auf unserer linken defensiven Seite deutlich. Die Dynamik von Janelt brachte eine von zwei guten Torchance, wobei die zweiten zum Ausgleich genutzt wurde. Ein Fünkchen Hoffnung. Nunja, früher war das selbstverständlich für unsere Mannschaft.

Die zweite Halbzeit – Fußballerische Magerkost

Grund zum Jubeln, wie in der letzten Saison, gab es eigentlich nicht. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Das Spiel begann in der zweiten Halbzeit so wie es sich im Laufe der ersten Halbzeit einpendelte: Ausgeglichen. Angriffe hüben wie drüben, jedoch ohne große Torchancen, außer einem Freistoß von Nazarov, welcher jedoch weit über das Tor ging. In der 62. Minute musste Manuel Riemann verletzungsbedingt das Feld verlassen, nachdem Nazarov seinen Übermut zeigte und unnötigerweise Manuel Riemann umrannte. Felix Dornebusch übernahm seinen Platz zwischen den Pfosten. Folglich wurden die Offensivbemühungen der Gastgeber aus dem Erzgebirge wieder zwingender, wobei die Abschlüsse allesamt kein Problem darstellten für Felix Dornebusch. Dennoch bleibt festzuhalten, dass unsere Offensivbemühungen als kläglich beschrieben werden können und auch die Einwechslung von Johannes Wurtz für Sidney Sam kurz vor Spielende brachte keine Besserung mehr. Eine langweilige, uninspirierten zweite Halbzeit nahm sein Ende, nach der man sich noch glücklich schätzen musste, dass die Auer Chancen nicht zwingender waren.

Fazit – So kann und darf es einfach nicht mehr weitergehen

Zumindest mit einem Punkt im Gepäck konnte man die Rückreise aus dem Erzgebirge antreten. Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Zu Beginn erwischte Aue uns, wie schon einige Mannschaften zuvor, auf dem falschen Fuß nach einem leichten Ballverlust und der mangelnden Bereitschaft in die defensive Umschaltbewegung zu kommen. Die zweite Chance sah nach dem Fußball aus, der in dieser Saison Torgefahr bei uns ausstrahlt: Pass hinter die Abwehrkette des Gegners nach einem dynamischen Antritt, in diesem Fall von Vitaly Janelt. Leider ist unser Offensivspiel weiterhin sehr beschränkt, wodurch sich der Gegner leicht darauf einstellen kann und Aue dies durch eine Vielzahl von Spieler im Zentrum tat. Eine Anpassung oder Ideen dies zu umgehen, vermisste man in unserem Spiel. Eine Entwicklung ist nicht zu erkennen und es wirkt, als ergebe man sich ob einer verlorenen Saison. Torchancen wurden durch Einzelaktionen kreiert und man vermisst die Zeiten, in denen wir nach vorne hin so variabel spielten, dass dem Gegner schwindelig wurde und man ständig das Gefühl hatte, dass wir noch ein Tor erzielen können. Kann man die Mannschaft noch wach küssen? Ich weiss es nicht mehr. So langsam schwindet die Hoffnung, dass wir zumindest noch das ein oder andere gute Spiel in dieser Saison zu sehen bekommen.

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

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