Mit 11 aus 32 im Abstiegskampf bestehen: Ein probates Mittel?

In der Welt der Medien heißt es: „Bad news are good news“. Denn schlechte Nachrichten sorgen für eine höhere Auflage, für mehr Klicks, für größere Aufmerksamkeit. Demzufolge ist der VfL momentan ein El Dorado für Journalisten und Medienmacher. Sowohl qualitativ als auch quantitativ setzt der aktuelle Tabellenfünfzehnte neue Maßstäbe in Sachen Hiobsbotschaften. Und jetzt geht es ausgerechnet nach Aue. Aue? Da war doch mal was…

Vor ziemlich genau fünf Jahren fuhr der VfL mit Trainer Andreas Bergmann am 11. Spieltag ins Erzgebirge zum Auswärtsspiel in Aue. Mit im Bus saßen Spieler wie Leon Goretzka, Christoph Kramer oder auch Paul Freier. Schon die Anreise war aufgrund heftigen Schneefalls abenteuerlich. Doch was in den 90 Minuten auf dem grün-weißen Rasen passierte, war noch mal deutlich abenteuerlicher und gilt wohl bis heute als einer der Tiefpunkte in der Vereinsgeschichte des VfL.

Zwei Trainer stolperten über Aue

In der 5. Minute hatten die Gäste aus dem Ruhrgebiet die Chance, per Elfmeter mit 1:0 in Führung zu gehen. Doch Zlatko Dedic vergab. Nur fünf Minuten später lag der VfL mit 0:3 (!) hinten. Fast im Minutentakt hatte der Gastgeber unserem Keeper Andreas Luthe eingeschenkt. Nach zwölf Minuten musste/durfte Luthe vom Feld und wurde von Philipp Heerwagen ersetzt. Und auch Heerwagen musste bis zum Abpfiff noch drei Mal hinter sich greifen. Ein Eigentor in der 90. Minuten bescherte dem VfL dann noch den Ehrentreffer, für Andreas Bergmann war es trotzdem nach gut einem Jahr das Ende beim VfL.

Ihm folgte Co-Trainer Karsten Neitzel, der anfangs als Interimscoach fungierte und in der Winterpause zum Cheftrainer befördert wurde. Doch auch bei ihm sollte ein Spiel gegen Aue das abrupte Ende auf der VfL-Trainerbank bedeuten. Es war Spieltag Nummer 28, der VfL zeigte eine unterirrdische Leistung, bekam im heimischen Stadion mit 3:0 ordentlich was auf die Mütze und befand sich in akuter Abstiegsgefahr. Dies war gleichbedeutend mit der Entlassung von Neitzel und Sportchef Jens Todt. Als Nachfolger wurde Pedda Neururer präsentiert. Der Rest ist Geschichte.

Nun also wieder Aue. Dass Aue auch für Jens Rasiewski zur Endstation wird, ist nicht zu erwarten. Nach Verbeek und Atalan hat der VfL sein Rauswurf-Kontingent für dieses Jahr ausgeschöpft und wartet nun auf die Winterpause, um einen neuen Cheftrainer zu installieren (falls jemand gefunden wird). Bis dahin wird Jens Rasiewski weiter rochieren, ausprobieren und pokern.

Warten auf sechs Richtige mit Superzahl

Die Aufstellung des VfL erinnert aktuell mitunter an eine Lotterie unter dem Motto „11 aus 32“. Leider war hierbei noch kein größerer Gewinn zu verzeichnen. Dass Trainer auch mal pokern, ist nichts Neues. Dass ein Trainer aber Lotto spielt, wenn er die Aufstellung austüftelt, dürfte ein Novum sein. Gegen Sandhausen und Düsseldorf war uns die Lottofee hold, gegen Braunschweig, Kaiserslautern, Fürth und Paderborn ganz und gar nicht.

In der Tat ist beim VfL eine Stammformation noch nicht mal in Ansätzen zu erkennen, obwohl der Kader von größeren Verletzungssorgen in dieser Saison bislang verschont geblieben ist. Bis auf Manuel Riemann, Maxim Leitsch und Jan Gyamerah hat kein anderer Spieler bei den bisherigen fünf Ligaspielen unter Rasiewski konstant in der Anfangself gestanden. Hinzu kommt, dass Spieler nicht nur zwischen Feld und Bank pendeln, sondern auch auf dem Rasen in mehreren Formationen und auf diversen Positionen eingesetzt werden. Stefano Celozzi hat bis auf Torwart und Mittelstürmer inzwischen fast jede Position bekleidet.

Insofern ist es müßig, über die Aufstellung gegen Aue zu spekulieren. Wobei es aus Fan-Sicht fast egal ist, wer aufläuft. Hauptsache, die elf Kicker sind motiviert, engagiert und reißen sich für den langersehnten Auswärtssieg die Beine aus. Tröstlich: Zumindest laufen VfL-Fans momentan nicht Gefahr, enttäuscht zu werden. Die Erwartungen sind mittlerweile so gering, dass man eigentlich nur positiv überrascht werden kann. Wie dem auch sei, es sind nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz und die Form macht nicht grad Mut. Insofern scheint es so, als ob dem VfL und seinen Anhängern eine graue und wenig besinnliche Weihnachtszeit bevorsteht. Doch wer weiß! Vielleicht taugt Aue ja auch mal als Intialzündung und Trendwende. Der letzte Besuch im Erzgebirge war durchaus erfreulich und endete mit einem 4:2-Auswärtssieg. Hoffen wir also das Beste und geben rechtzeitig unseren Lottoschein ab.

Stephan Kottkamp

Stephan Kottkamp

Meine Liebe zum VfL hat ganz klassisch angefanegen. Im Mai 1986 hat mich mein Vater zum ersten Mal mit ins Ruhrstadion genommen. Der VfL spielte gegen die Bayern und holte ein 1:1-Unentschieden (Tore: Frank Benatelli und ein gewisser Lothar Matthäus). Seither war ich unzählige Male im Ruhrstadion und erinnere mich am liebsten an die Zeit unter Klaus Toppmöller. Auch deshalb zählt Fußballgott Thomas Stickroth für mich zu den größten VfLern aller Zeiten.

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