Stürmische See bringt Bochum in Schwierigkeiten

Wenn jemand eine Reise tut, so kann er was erzählen.

Es war wahrlich kein Tag, der ein Highlight ankündigte. Bei Schietwetter ging es ins für Gäste nicht überdachte, zusammengestückelte Holstein-Stadion nach Kiel. Und wie schon in den 90ern bei Spielen, z.B. im Wedau-Stadion, zeigte auch hier das schlechte Wetter die Qualität des Spiels – allerdings leider nur in Bezug auf den VfL.

Foto: einsachtvieracht

Das Spiel begann ordentlich. Der Ball lief auch ohne den die letzten Wochen überragenden Stöger (gesperrt aufgrund der fünften gelben Karte) anfangs recht flüssig. Das änderte sich dann jedoch abrupt mit dem Gegentor. Danilo Soares spielt einen unnötigen (und zu scharfen) Rückpass, obwohl das ganze Feld offen war. Riemann zeigt einen Aussetzer wie einst Ter Stegen gegen die USA. Ab diesem Zeitpunkt kann man jeden spielerischen Nachbericht aus Bochumer Sicht eigentlich abschließen: Die Mannschaft war komplett verunsichert, quasi mit Komplett-Aussetzer. Riemann zeigte noch ein paar wirklich gute Paraden, die den Bock aber natürlich nicht ungeschehen machen konnten. Dazu kam ein Standard-Gegentor, bei dem vier Spieler rum stehen, und eine eine gelb-rote Karte aus Frust. Letztlich ist es nur der diesmal schwächeren Offensivleistung der Kieler zu verdanken, dass es nur drei Gegentore gab.

Was gab es mitzunehmen aus dem Block?

Selbst als Zuschauer fühlte es sich wie eine große Hafenrundfahrt an, sofern man vom Spiel was gesehen hat. Als klassischer Fußball-Fan (der sich gerne auch noch zusätzlich Spiele ohne VfL-Beteiligung ansieht) geht es mir um den Sport an sich. Ich will mir ein Spiel ansehen, es diskutieren und mich aufregen, wenn das Spiel mies läuft.

Foto: einsachtvieracht

Jetzt ist (als Beispiel) der Kiel-Auswärtsblock ziemlich flach und zusätzlich an den Rändern durch seine gestückelte Architektur mit starker Sichteinschränkung durch Wellblechtribüne oder Anzeigetafel gestraft. In der Mitte sah man aus anderen Gründen äußerst wenig. Das soll jetzt nicht falsch klingen: Ich mag die Leidenschaft der aktiven Fanszene, aber ich bin der Meinung, es sollte doch zuerst um den Fußball an sich gehen. Sonst könnte man sich auch auf einer Treppe aufstellen und einer Kamera seine Gesänge präsentieren. Zwischendrin Fahnen schwenken, Schals hoch halten oder Kreisen lassen gehört zum Fußball dazu. Dann kann ich auch akzeptieren, mal eine Zeit lang keinen ordentlichen Blick aufs Spielfeld zu haben. Aber wenn man vom Spiel, wegen dem man da ist, große Teile nicht sehen kann – da komme ich nicht mehr mit.

Was nun – was tun?

Foto: Tremark Fotografie

Aber zurück zum sportlichen – wie soll man nun verfahren? Man wusste vorher, dass der Zeitpunkt für einen Trainerwechsel ungünstig war. Diskussionen über den Aufstieg kann man mittlerweile vergessen. Diskussionen über den Trainer verbieten sich aber meiner Meinung nach auch zum jetzigen Zeitpunkt. Man hat sich für diesen Weg entschieden und muss jetzt sehen, dass man möglichst schnell in die Spur kommt. Es gilt Aussetzer zu vermeiden oder zumindest zu verringern und an den Stärken zu arbeiten. Und vor allem muss man endlich eine Lösung finden, dass nicht mehr bei jedem Standard allerhöchste Gefahr herrscht.

Kurz gesagt, die einfachen Dinge richtig machen.

Jetzt kommt erst einmal wieder eine Länderspielpause. Danach muss man so weit sein, dass es nicht nur gut funktioniert, wenn sich Stöger und Kruse finden. Man muss Lösungen finden, wie man Sam ins Bochumer Spiel integriert, wie man im Mittelfeldzentrum die Balance findet und man muss hoffen, dass Danilo und Celozzi wieder zu ihrer Form finden. Ich habe zudem das Gefühl, dass die Schüsse auf das gegnerische Tor viel zu oft völlig ungefährlich sind (mehr als bei anderen Teams) – in der Regel weit drüber. Die Bälle von der Seite werden in den Strafraum so reingelöffelt, dass sich jede Abwehr bedankt, weil ein so langsamer Ball ein Geschenk für jeden Verteidiger ist.

Wenn dann teilweise noch etwas glücklichere Personalentscheidungen getroffen werden, sollte zumindest ein ordentlicher Platz in einer Liga, in der jeder jeden schlagen kann, drin sein.

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