Wie man die Schanzer knackt

Ismail Atalan hat zuletzt seine Grundformation gefunden. Er vertraut konsequent auf das 4-3-3, welches er bereits bei den Sportfreunden Lotte erfolgreich hat spielen lassen. Dieses System passt zu unserem Spielerkader und ermöglicht viele taktische Variationen. Am morgigen Sonntag begrüßen wir den Bundesligaabsteiger aus Ingolstadt bei uns im Ruhrstadion. In diesem Artikel möchten wir gerne einige taktische Gedanken zum Spiel darlegen, wie die Schanzer geknackt werden könnten – damit wir unsere Jungs wieder so sehen wie auf dem Titelbild: Siegreich!

Was gibt es über die Schanzer zu sagen?

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Unsere Gäste haben in dieser Saison bereits den Trainer ausgetauscht. Mittlerweile ist der ehemalige Spieler Stefan Leitl in der Verantwortung, nachdem Maik Walpurgis freigestellt wurde. Leitl lässt die Ingolstädter ebenfalls in einer 4-3-3 Grundordnung spielen. Anders als bei seinem Kollegen Atalan sind die beiden Achter Morales und Cohen eher zweikampf- und laufstarke Verbindungsspieler. Die kreativen Elemente sind mit Kittel und Pledl auf den „Flügeln“ zu finden. Ersterer verbindet dabei wie damals Terrazzino die Rolle als Zehner mit der einer hängenden Spitze aus der Tiefe, während Letzterer ein unterschätzter Kreativspieler mit tollem Engenspiel und starken Pässen ist. Im Sturmzentrum wühlt Dario Lezcano und erarbeitet den nachrückenden Spielern Räume. Unter der Woche gestaltete Max Christiansen den Spielaufbau von der Position des Sechsers. Die Viererkette bestand aus Linksverteidiger Paulo Otávio, welcher für geschätzte 1,35 Mio € aus Linz verpflichtet wurde, Rechtsverteidiger Tobias Levels, wobei ich hier am Sonntag mit Christian Träsch rechne, sowie dem Doppeltorschützen Hauke Wahl und Kapitän Marvin Matip in der Innenverteidigung. Rekordneuzugang Stefan Kutschke (Geschätzte 1,5 Mio € Ablöse), welcher in den vergangenen zwei Spielzeiten für Dresden auf Torejagd ging, nahm auf der Bank Platz. Er könnte jedoch, aufgrund der englischen Woche, im Sturm statt Dario Lezcano beginnen. Örjan Nyland ist die unumstrittene Nummer 1 im Tor.

Ein kurzer Rückblick auf das Spiel unseres VfLs gegen Nürnberg

Die ersten 40 Minuten gegen Nürnberg unter der Woche sahen toll aus! Tesche und Stöger unterstützten auf den Flügeln und konnten die inversen Bewegungen von Kruse und Sam absichern. Diamantakos tendierte, ebenso wie Stöger nach links, wodurch Robbie Kruse immer wieder Möglichkeiten hatte, mit seinen Dribblings und Tiefenläufen ins Zentrum zu ziehen und die Viererkette der Nürnberger vor Probleme zu stellen. Leider verblasste unser Offensivspiel nach dieser Zeit und einer Umstellung der Nürnberger, die Ihr Mittelfeld nun kompakter organisierten, und der unerwartete Ausgleich fühlte sich wie ein Genickbruch unseres Spiels an.

In der zweiten Halbzeit lief dann nicht mehr viel zusammen. Die Einwechslung von Johannes Wurtz sollte etwas mehr Durchschlagskraft in der Offensive bringen. Stattdessen brachte sie die Statik im Spielerpersonal durcheinander. Soares, Wurtz, Kruse und Stöger blockierten sich im linken Halbraum gegenseitig. Schlussendlich hatte man weder einen offensiven Mittelfeldspieler noch einen zweiten Mann neben Stürmer Diamantakos. Johannes Wurtz ist in der Rolle als hängende Spitze gegen tiefstehende Gegner weiterhin kein belebendes Element. Er braucht Räume, in der er dynamisch Hineinlaufen kann. Eine frühere Einwechslung von Hinterseer, welcher eher nach rechts tendiert, wäre eventuell sinnvoller gewesen. Gerade, da er besser mit dem nach links tendierenden Dimitrios Diamantakos zu harmonieren scheint. Im Nachhinein ist man jedoch immer schlauer, und hier soll hier es ja um das Spiel gegen die Schanzer gehen.

Wie kann man die Schanzer knacken?

Wie oben bereits erwähnt, sind die Schanzer im zentralen Mittelfeld sehr kompakt, kampf- und laufstark. Hier wäre es sinnvoll, mit vereinten Kräften dagegen zu halten und diese Stärke zu neutralisieren. Da wir genügend Spieler haben, die offensiv Akzente setzen können und defensiv ihre Rolle diszipliniert ausfüllen, sollte unsere Grundaufstellung angepasst werden. Görkem Saglam darf für Sidney Sam starten und agiert als linker Achter neben Robert Tesche vor Sechser Anthony Losilla. Kevin Stöger gestaltet das Spiel als einrückender Linksaußen. Saglam nutzt die Räume, die sich dadurch bieten mit ausweichenden Bewegungen auf den Flügel. Alternativ rückt Soares wie gehabt weiter auf als sein Gegenpart Stefano Celozzi, um dynamisch in die durch Stöger geöffneten Räume zu stoßen. Kruse wechselt zurück auf den rechten Flügel und wird dort durch die Weiträumigkeit von Robert Tesche und den tieferen, eingerückten Stefano Celozzi abgesichert. Robert Tesche hat nachgewiesen, dass er einem Team Stabilität im Mittelfeld verleihen und zusammen mit Anthony Losilla beim gegnerischen Umschaltspiel die Konter unterbinden oder zumindest verzögern kann. Weiterhin besteht die Möglichkeit, dass Tesche bei Durchbrüchen von Kruse zur Torauslinie situativ mit in die Spitze stößt, um seine Stärke im Abschluss einzubringen.

Enorm wichtig wird sein, dass Felix Bastians und Tim Hoogland wieder spielen können, da wir deren Fähigkeiten in der vertikalen Verteidigung dringend benötigen. Durch ihr gut getimtes Herausrücken helfen sie, die Räume neben Anthony Losilla zu kontrollieren, die gegen Nürnberg unsere große Problemzone dargestellt haben. Außerdem müssen die beiden die Kreise von Kittel eingrenzen, welcher sonst als toller Fußballer immer wieder Lösungen auf engem Raum findet. Hier wird es sehr wichtig, dass die Achter schnell wieder in die Grundordnung finden. Eine 3-1 Restverteidigung, wie sie häufig durch Soares Aufrücken gegen Nürnberg entstand, ist zu riskant. Ein 3-2-Block sollte immer zur Absicherung zurückbleiben. Dieser kann entweder durch ein Einrücken von Celozzi oder Soares neben Losilla oder durch ein Zurückbleiben eines Achters gebildet werden. In diesem Block sollte es gelingen, dass z. B. Saglam, Losilla und Bastians im Verbund die Kreise vom Raumdeuter Pledl eingrenzen, sobald Soares aufgerückt ist.

Es wird interessant zu sehen sein, wie sich beide Mannschaften duellieren. Sowohl von der Grundformation als auch von der Mannschaftstaktik her agieren beide Teams sehr ähnlich. Durch das flexible Personal kann der VfL je nach Situation verschiedene Konstellationen erzeugen. Neben dem bereits beschriebenen Öffnen der Flügel, könnten  Stöger und Saglam im 4-2-2-2  bei Angriffen durchs Zentrum eine Überzahl gegen Ingolstadts Sechser im Zehnerraum bilden. Wichtig wird es dann, dass Durchbrüche in diese Räume durch die richtigen Läufe der Stürmer (z. B. Herauskreuzen des Mittelstürmers zur Öffnung der Räume für den einlaufenden Kruse oder den nachrückenden Soares) auch zu hochwertigen Torchancen gebracht werden. Gegen den Ball wäre ein 4-1-2-2-1 eine interessante Wahl. Der Stürmer trennt die Innenverteidiger, während Kruse und Stöger eng agieren und Pässe ins zentrale Mittelfeld verhindern. Dahinter werden Tesche und Saglam bei ihren Mannorientierungen gegen Ingolstadts Achter vom freien Losilla abgesichert. Die Viererkette hat gegen Ingolstadts Dreiersturm Überzahl und kann flexibel von Losilla unterstützt werden. Wichtig wird es sein, nach Pässen auf die offenen Flügel, aggresiv zu verschieben und dort die Bälle schnell zu gewinnen.

Was bleibt zu sagen?

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Der Frust hat sich gelegt und die neuerlichen Aussagen von Christian Hochstätter sind absolut richtig. Ismail Atalan hat zu Beginn viel experimentiert. Es sind einige Dinge schlecht gelaufen, aber einiges sah auch bereits gut aus. Man muss unserem Chef-Trainer die Zeit zugestehen, die Mannschaft taktisch so zu entwickeln wie es seiner Spielidee entspricht. Falls man bis zum Winter den Anschluss an das obere Tabellendrittel herstellen kann, hat man über den Winter noch genug Zeit, Mechanismen zu verinnerlichen und einzutrainieren und dann heißt es in der Rückrunde alles in die Waagschale zu werfen. Zuletzt konnten wir unser Heimspiel gegen Ingolstadt nach einem 0:1 Rückstand drehen. Mikael Forssell traf damals und wir konnten den designierten Aufsteiger schlagen. Gerne am Sonntag wieder! Glück Auf, Heimsieg!

Sebastian Hettmann

Sebastian Hettmann

Als ich zum ersten Mal bewusst im Ruhrstadion war, spielte der VfL Bochum in der Saison 2002/2003 gegen den Hamburger Sport Verein und ein direkt verwandelter Eckstoß sowie einige Anekdoten von meinem Großvater lassen mich seither den Rothosen die Daumen drücken. Ich kam allerdings nie wieder vom Ruhrstadion los und bin seitdem regelmäßig ins Ruhrstadion gegangen. Seit der Saison 2006/2007 fiebere ich als Dauerkarteninhaber im Block N2 bei Spielen unseres VfL mit.

2 comments

  1. Wie immer eine tolle Einstimmung aufs Spiel und ne schöne Analyse! Da bekommt man fast wieder richtig Lust auf Stadion morgen. 😉

    Wie ihr schon erwähnt hat, kann es taktisch aufgrund der ähnlichen Ausrichtungen der Mannschaften sicherlich sehr interessant werden. Ich hoffe, dass Atalan nicht versucht den ganz grossen taktischen Wurf plant und sich damit wieder vercoacht. Ansonsten kann man nur die Daumen drücken morgen und hoffen, dass die Mannschaft ( inkl Trainerteam) in die Spur finden!

    Glück Auf!

    1. Da gebe ich dir absolut recht. Die Richtung in die sich die Mannschaft bewegt stimmt, man hat ständig das Gefühl, dass endlich der Knoten geplatzt ist und dann kommt eine Phase, bei der man sich nur an den Kopf fassen möchte. Und das innerhalb eines Spiels! Wenn die Mannschaft es schafft die negativen Ausreißer der Formkurve während eines Spiels etwas konstanter nach oben zu korrigieren, dann können wir wirklich jeden Gegner in der Liga so bespielen wie wir es möchten. Und das zeichnet eine Spitzenmannschaft (eigentlich) aus.

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