Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Von Sehnsucht, Falschgeld und Peitschen

Man ist ja als VfL-Fan Schmerzen gewöhnt. Doch die Achterbahnfahrt, auf die uns der VfL in dieser Saison nimmt, ist einfach nur unschön. Täglich grüßt das Murmeltier. Aufstieg als Ziel ausgegeben. Ernüchternder Start. Nach zwei Siegen in Folge wieder in Schlagdistanz zur Spitze – nur um dann mit zwei dummen Niederlagen wieder emotional „auf die Fresse“ zu bekommen.

Konstanz ist so ein Zauberwort, von dem in der 2. Bundesliga viel gesprochen wird. Sie ist vielleicht der Schlüssel, um ganz oben mitzuspielen. Die einzige Konstanz, die ich in der bisherigen Saison in Bochum sehe, ist, dass man es eigentlich in jedem Spiel fertig bringt, zwei Gesichter zu zeigen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ich bin der letzte, der irrationale Schnellschüsse fordert. Ich möchte ich hier auch gar nicht anfangen, am Stuhl des Trainers zu sägen – um Gottes Willen. Aber nach sieben Spieltagen muss man festhalten: Eine gute Halbzeit pro Spiel reicht einfach nicht, um in dieser engen Liga oben mitzuspielen. An sich ist Atalan hier ja fast sogar die ärmste Sau. Wird zwei Wochen vor Saisonstart geholt und mitten in ein Umfeld geworfen, dass in seiner Sehnsucht nach der ersten Liga badet. Einer Sehnsucht, die auch noch von oben befeuert wird, wo der Aufstieg offensiv als Ziel ausgegeben wird. Mit dem Kader meiner Meinung aber auch zurecht.

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Das einzige, was ich Atalan vorwerfe, ist, dass er meiner Meinung nach zu viel in zu kurzer Zeit wollte und will. An sich ist es absolut lobenswert, wenn ein Trainer seine eigenen Ideen umsetzen und nicht nur verwalten möchte. Nur muss ich das mit Augenmaß für die Situation tun. Er ist ein Umfeld gekommen, in dem es eine Mannschaft mit einer klaren Spielphilosphie gab. Verbeek mag menschlich ganz schwierig gewesen sein, taktisch fand ich ihn einen der besten Trainer in Bochum, die wir je hatten. Selten gab es eine Mannschaft, die dermaßen seine Handschrift trug. Atalan hätte hierauf, mit Blick auf die kurze Vorbereitungszeit, viel konsequenter aufbauen und seine (teils wirklich spannenden Ideen) peu a peu umsetzen müssen. Aktuell hat man eher das Gefühl, dass ein Großteil der Mannschaft mindestens eine Halbzeit pro Spiel wie Falschgeld rumläuft. Es gibt keine gefestigten Strukturen. Die rechte Hand weiß nicht mehr was die Linke gemacht.

Das traurige ist halt aktuell nur, dass man durchaus das Gefühl hat, dass die Mannschaft ja kann – zumindest irgendwie. Die letzten 10 Minuten in Darmstadt, 80 Minuten gegen Heidenheim, eine Halbzeit gestern. Da sehen wir teilweise richtig guten Fußball auf ein Tor, nur belohnt sich die Mannschaft nicht und legt sich die Klöpsen dann wieder hinten selber rein. Keine Frage, man darf Spiele wie gegen Pauli verlieren. Auch sowas wie Bielefeld oder Heidenheim kommt vor – es sind immer noch Menschen, die auf dem Platz stehen und keine Maschinen. Die Frage ist nur, mit welcher Häufigkeit lässt man sich dermaßen den Schneid abkaufen?

Aber so ist das nun mal im Fußball – am Ende knallt die Peitsche und es zählt letztendlich nur, dass du ein Tor mehr schießt als die Mannschaft auf der anderen Seite des Rasens. Wie schon oben gesagt, ich bin der letzte, der Schnellschüsse fordert, aber wenn das Spiel gegen Ingolstadt am Sonntag wieder in die Hose geht, dann dürfte es hier richtig ungemütlich werden…

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