Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Was bleibt ist die Leere

Frust, Enttäuschung, Fassungslosigkeit – die Stimmung ist im Keller in Bochum. Mal wieder! Wie so häufig in den letzten eineinhalb Jahren schafft es die Mannschaft nicht in den entscheidenden Spielen die Punkte einzufahren, wenn es darum geht sich oben festzubeißen.

Dabei kam die Elf von Ismail Atalan diesmal gut in die Partie und konnte erstmals in der noch jungen Saison den Führungstreffer erzielen. Doch die Freude währte nur drei Minuten. Drei Minuten in denen Fußball-Bochum Kopf stand und die Aufstiegsträume in den Augen der Fans glänzten. Drei Minuten, in denen man dachte, endlich könnte man mal wieder 90 sorgenfreie Minuten erleben. Am Ende kam alles anders – oder soll man sagen, am Ende kam alles wie gewohnt?

Die Punkte gingen jedenfalls nach Heidenheim und ein möglicher Anschluss an die Tabellenspitze wurde verspielt. Ärgerlich ist es allemal, denn nach einer kurzen Schockphase hatte man das Spiel unter Kontrolle und drückte vor allem in der 2. Halbzeit Heidenheim in die eigene Hälfte. Es war nach dem Wiederanpfiff ein Spiel auf ein Tor und bezeichnender Weise fiel genau in unserer stärksten Phase das Gegentor nach einer Standardsituation – schon wieder nach einem ruhenden Ball und wieder mitten ins Herz der Fans. Schlussendlich drängte die Mannschaft noch auf den Ausgleich, doch alle Mühen blieben unbelohnt.

Was bleibt ist die Leere. Die Euphorie nach den zwei Siegen in Serie ist nach dieser bitteren Niederlage vorerst verpufft. Die eigenen Ambitionen konnten nicht unterstrichen werden. Da interessiert es auch keinen, ob man lange Zeit das bessere Team war. Jetzt zählt nur eins: Mund abputzen und Siege einfahren. Keine Unentschieden, keine Niederlagen – Siege müssen her, um den Anschluss nach oben zu halten. Der Blick auf die kommenden Gegner schürt dabei Zweifel. Mit Nürnberg und Ingolstadt kommen echte Brocken auf uns zu. Doch wer aufsteigen will, muss eben jene Spiele für sich entscheiden. Die Wochen der Wahrheit haben begonnen, denn gerade englische Wochen offenbaren die Stärken oder Schwächen einer Mannschaft. Die Eingewöhnungsphase des neuen Trainers muss nun endgültig vorbei sein. Mit Kruse, Tesche und Sam konnten die Wunschspieler verpflichtet werden und der Kader ist so stark wie lange nicht. Ohne Wenn und Aber: jetzt muss geliefert werden. Das gilt für alle gleichermaßen – auch für die Fans, denn 13.000 Fans bei einem Heimspiel sind genauso wenig aufstiegswürdig wie die Punkte auf dem Konto. Der Blick muss nach vorne gerichtet werden. Trotz statt Frust, Gas geben statt lamentieren – denn eines steht fest, die Reaktion auf die Niederlage muss sitzen.

Jens Hartenstein

Jens Hartenstein

In Bayern geboren, führte mein Weg zum Fußball über den FC Bayern München erst über Umwege zum geliebten VfL. Hierbei hat mich insbesondere die Phase Mitte der 90 geprägt, als man unter anderm in den UEFA Cup einzog. Nach einer jugendlichen Trotzphase, in der ich mich fast gänzlich dem Fußball, aber vor allem der Kommerzialisierung von selbigem abgewandt hatte, fand ich dann Anfang des neuen Jahrtausends wieder zurück zum Fußball. Ein echter Fußballfan kann eben doch nicht ohne seine Leidenschaft. Spätestens als ich dann beim Abschiedsspiel von Darius Wosz dessen letztes Bundesligator, den Abstieg Gladbachs und unseren beinahe Einzug in den UI-Cup live im Gladbacher Stadion feiern durfte, wars um mich dann komplett geschehen. Seitdem sind mäßige Spiele, Niederlagen, Abstiege und sämtliches Leid aller VfL Fans mein ständiger Wegbegleiter.

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