Die Sonne scheint, die Menge tobt und wartet auf ein Bochumer Tor!

Die Länderspielpause wurde genutzt um Kraft zu tanken und weitere Automatismen von Trainer Ismail Atalan einzustudieren. Doch am Sonntag, dem 10. September, geht es wieder ans eingemachte. Unser VfL Bochum ist im Stadion am Böllenfalltor zu Gast beim Tabellenzweiten, den Lilien vom SV Darmstadt 98. Wir von einsachtvieracht stellen euch die Südhessen etwas näher vor.

Foto: MH891 (Wikimedia Commons)

Schwelgen wir zu Beginn in Erinnerungen und kommen zum letzten Aufeinandertreffen vom 5. April 2015. Der designierte Aufsteiger Darmstadt stand auf einem sensationellen dritten Tabellenplatz und spielte gegen unsere von Gertjan Verbeek trainierten Jungs, die damals vielleicht auch in vager Vorhersehung auf das Endergebnis ganz in schwarz angetreten waren. Darmstadt gewann nach Toren von Bregerie und Balogun mit 2:0 und stieg am Ende der Saison in die erste Bundesliga auf, während unser VfL die Saison am Ende auf dem elften Rang beendete. Desweiteren blieb für Stanislav Sestak das Spiel in besonderer Erinnerung, da er bereits zur Halbzeit das Feld für Onur Bulut räumen musste und nach der Saison seinen Vertrag auflöste. Trainer Verbeek soll ihm vorgeworfen haben, in diesem Spiel lediglich sein Trikot spazieren getragen zu haben.

Wie sieht es momentan beim SV Darmstadt 98 aus?

Darmstadt wurde in den letzten beiden Bundesligajahren schon im Vorfeld als sicherer Absteiger abgestempelt. Die Trainingsanlagen und das Stadion waren selbst laut den Aussagen von Vereinsoffiziellen nicht einmal zweitligatauglich. Dennoch behauptete sich der SVD im ersten Jahr mit einem 15. Platz, der zum Erhalt in der Liga berechtigte. Jedoch verließ Trainer Dirk Schuster die Südhessen nach der Saison. Jener Schuster, der Darmstadt von der 3. Liga in die Bundesliga durchmarschieren ließ. Trainer Norbert Meier und Sportdirektor Holger Fach brachten nicht den gewünschten Erfolg, sodass schon zur Winterpause mit der Verpflichtung von Trainer Torsten Frings das Hauptaugenmerk auf die zweite Liga gerichtet wurde. Abwanderungswillige Spieler wurden aussortiert, unter anderem der Ex-Bochumer Florian Jungwirth durfte sich von Frings einiges anhören lassen, als auch das Umfeld profifußballtauglich gemacht. Im altehrwürdigen „Bölle“, wie es von den Fans nur genannt wird, wurden mittlerweile zwei mobile Tribünen errichtet und der SV Darmstadt muss der DFL ein Um- oder ein Neubaukonzept vorlegen, sonst ist der Profifußball in Darmstadt bald passé. Auch der Jugendfußball hat bei Darmstadt Nachholbedarf. Um die Local-Player-Regelung zu erfüllen, werden jedes Jahr vier Altjahrgänge in der U19 mit einem Profivertrag ausgestattet. Dieses Jahr sind die Glücklichen Leo Petri, Niklas Kern, Paul Schmieder und Silas Zehnder. Wobei Darmstadt auch schon namhafte Fußballer hervorbrachte. Aus Bochumer Seite sind sicherlich Mergim Mavraj und Ivo Ilicevic bekannt, Bormuth von Düsseldorf oder Sabiri, der jüngst von Nürnberg zu Huddersfield wechselte, kennen sicherlich auch einige.

Nach vier Spieltagen steht der SV Darmstadt 98 auf dem zweiten Tabellenplatz mit zehn Punkten. Dem Auftaktsieg gegen Greuther Fürth folgte ein unentschieden in Kaiserslautern. Gegen Jahn Regensburg schied Darmstadt zwar im DFB-Pokal bereits in der 1. Hauptrunde aus, konnte anschließend aber 3:0 gegen den FC St. Pauli und 1:2 in Duisburg gewinnen. Somit stehen die Darmstädter nur aufgrund der weniger geschossenen Tore auf dem zweiten Tabellenplatz hinter Düsseldorf. Torgefährlich konnte sich, ähnlich wie beim VfL, ein defensiver Spieler zeigen. Der gebürtige Darmstädter Yannik Stark, der in der letzten Saison noch in der dritten Liga ausgeliehen war, ist derzeit mit zwei Treffern Darmstadts „Torjäger“.  Allseits bekannte Spieler dürften der Weltmeister Kevin Großkreutz, Mittelfeldstratege Hamit Altintop, Abwehrchef und Kapitän Aytac Sulu sowie der gebürtige Bochumer Keeper Daniel Heuer-Fernandes sein. Sicher fehlen wird Darmstadt Peter Niemeyer, der zuletzt in der Innenverteidigung eingesetzt war. Durch die Verpflichtung von U21-Europameister Felix Platte haben die Lilien eine weitere Option im Angriff neben Sobiech, Maclaren und Terrence Boyd bekommen.

Der letzte Sieg gegen Darmstadt bereits 36 Jahre her

Foto: Tim Kramer (Tremark Fotografie)

Nein, keine Sorge. Sie sind hier nicht bei einem bekannten Boulevardblatt gelandet, bei dem die Bochumer Spieler den Darmstadt-Fluch besiegen müssen. Die Lilien und der VfL standen sich bislang erst sechs mal gegenüber, davon vier mal in der ersten Bundesliga. Die Duelle in der zweiten Bundesliga gab es zuletzt in der Saison 2014/15. Das erste Aufeinandertreffen gewann der SV Darmstadt vor 1.300 Zuschauern (!) am 30. Dezember 1978 mit 3:1, das Rückspiel im Ruhrstadion gewannen die Südhessen mit 1:2. Die Rückkehr in die Bundesliga zwei Jahre später beflügelte die Lilien so sehr, dass sie am vierten Spieltag den damals Zweitplatzierten Bochum mit 2:0 in die Schranken weisen konnten. Knapp 32 Jahre später, am 17. Oktober 2014, „gewann“ der VfL einen Punkt durch einen Last-Minute-Treffer von Mikael Forssell. In der sprichwörtlich letzten Aktion ging Andreas Luthe im Strafraum zum Kopfball und legte so den Treffer für den Finnen auf. Forssell sagte später, er habe zuerst gedacht, dass der Schiedsrichter zum Kopfball hochstieg. Diese Vorlage blieb übrigens Luthes einziger Scorerpunkt in seiner VfL-Karriere. Im Rückspiel stand dann Michael Esser im Kasten, war gegen die Treffer nach Ecke jeweils machtlos.

 

Wie sieht es derzeit beim VfL aus?

Eine Änderung im Vergleich zum Dresden-Spiel wird es garantiert geben. Manuel Riemann zog sich unter der Woche einen Muskelfasserriss zu und wird damit einige Wochen fehlen. Für ihn kommt Felix Dornebusch nach seinem Pokaldebüt nun zu seinem Ligadebüt. Neben Leitsch wird auch Janelt nach einer Operation am Knie nicht zur Verfügung stehen. Während Robert Tesche noch nicht die Reise nach Darmstatt antritt, ist Sidney Sam sogar ein Kandidat für die Startelf. Der andere Neuzugang, Luke Hemmerich, kuriert momentan noch eine Verletzung aus.

Wie kann man die Lilien entwurzeln?

Foto: az1172 (Wikimedia Commons)

Die Lilien sind ein kampf- und willenstarkes Team, welches vor allem von ihrer Wucht lebt. Das dies zum Erfolg führen kann am Böllenfalltor, hat man unter Dirk Schuster bereits gezeigt. Durch die oben bereits genannten, erfahrenen Spieler wie Großkreutz, Altintop, Sulu und auch der verletzte Niemeyer, hat man Korsettstangen, die für bodenständigen Fußball stehen und dem Spiel ihren Stempel aufdrücken können. Gerade die Verpflichtung von Altintop im vergangenen Winter hat die Mannschaft enorm stabilisiert, ist er Dreh- und Angelpunkt im zentralen Mittelfeld. Probleme bekommen die Lilien, wenn man konsequent die Außen attackiert und versucht mit flachen und scharfen Flanken vor das Tor zu kommen oder sich spielerisch durchzusetzen, in den Kopfballduellen wird man vermutlich oftmals das Nachsehen haben. Bei Standardsituationen müssen unsere Jungs hoch konzentriert auftreten, da die Lilien dort mit Mittelstürmer Sobiech und Abwehrchef Aytac Sulu zwei enorm gefährliche Kopfballspieler in ihren Reihen haben. Sollte unsere Mannschaft so ein Auswärtsspiel zeigen wie gegen Bielefeld, sich jedoch nicht um den eigenen Ertrag bringen, dann können wir Punkte aus Darmstadt entführen!

Reißen wir was im Bölle?

Lediglich am 21. Spieltag der Saison 1981/82 konnte der VfL die Lilien durch einen Treffer des leider viel zu früh verstorbenen Wolfgang Patzke gewinnen. Der momentane Trend spricht momentan für die Darmstädter, doch auch Torsten Frings ist gewarnt ob unserer Neuzugänge und unserer Spielstärke. Ich hoffe, dass unsere Jungs die positiven Momente vom Dresden-Spiel und vom Leverkusen-Test mitgenommen haben, und wir mit 0:2 und drei Punkten glücklich nach Hause fahren werden. Das wäre doch was! Alle Mann zum Bölle und groovt euch am besten bereits ein!

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